Athleten deutschland bricht reformgespräche ab – kein sitz im stiftungsrat
Die Enttäuschung schlug in offene Wut um. Athleten Deutschland, der unabhängige Athletenverband, erklärt den neuen Referentenentwurf für ein Sportfördergesetz am Mittwoch kurz und knapp zur Katastrophe. Das Papier, das in den kommenden Tagen im Bundeskabinett verhandelt wird, ignoriere die Interessen der Sportlerinnen und Sportler systematisch – und droht, die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Politik und Athletenschaft endgültig zu zerreißen.
Pia greiten: „unabhängige vertretung nicht erwünscht“
„Das Bundeskanzleramt und der organisierte Sport, der diesen Entwurf maßgeblich beeinflusst hat, senden ein klares Signal: Eine unabhängige und wirksame Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht erwünscht“, sagt Verbandschefin Pia Greiten. Ihr Vorwurf: Der überarbeitete Entwurf schafft zwar einen neunköpfigen Stiftungsrat für die künftige Spitzensportagentur, doch die Sitze verteilen sich im Verhältnis 6:3 zugunsten der Politik. Ein eigenes Mandat für Athleten Deutschland? Fehlanzeige.
Die Folge: Der Verband kündigt an, den Reformprozess nicht länger mitzutragen, solange keine „verbindliche Mitbestimmung“ und keine „Schutzmechanismen“ für Athleten im Gesetz verankert werden. Es ist die härteste Eskalation seit Gründung des Verbands 2019.

Alte fronten neu vermauert
Bereits der erste Entwurf Ende Oktober hatte für Empörung gesorgt. Die 4:1-Mehrheit zugunsten der Politik im Stiftungsrat galt als Machtpoker – der DOSB forderte Nachbesserungen. Nun ist das Kräfteverhältnis zwar weniger krass, doch die Athleten vertreten weiterhin kein einziges Ratsmitglied. Für eine Organisation, die sich selbst als „unabhängiges Korrektiv“ begreift, ist das ein Schlag ins Gesicht.
Das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) hatte den Kabinettsbeschluss bis zuletzt blockiert. Interne Streitigkeiten zwischen Finanz- und Sportpolitikern verzögerten das Vorhaben – und ließen Zeit für neue Risse. Nun steht das Projekt erneut zur Debatte, doch die Athleten haben die Geduld verloren.
Die Drohung, den Dialog abzubrechen, ist mehr als Symbolpolitik. Ohne die Zustimmung von Athleten Deutschland droht dem Gesetzgeber ein offener Konflikt mit der eigenen Sportbasis – und das kurz vor der Sommersaison, in der Millionenbeträge an Fördergeldern vergeben werden.
