Astori-skandal: gericht entlarvt gefälschten belastungstest – fiorentina-legende weiter ohne gerechtigkeit
Ein Jahr Haft für den Leiter der Sportmedizin von Careggi: Giorgio Galanti log 2019 ein positives Belastungs-EKG für Davide Astori und datierte es rückwirkend auf Juli 2017, um sich vor Gericht zu schützen. Die Begründung des Urteils liegt jetzt vor – und sie ist ein Schlag ins Gesicht jener, die seit 2018 auf Aufklärung warten.
Warum das gefälschte dokument heute neue wellen schlägt
Die Richter von Florenz sprechen von vorsätzlicher Täuschung. Galanti habe die damalige Oberärztin Loira Toncelli angewiesen, das Papier „mechanisch“ zu fertigen, nachdem die Staatsanwaltschaft ihn ins Visier genommen hatte. Ziel: zu beweisen, Astoris Herzfrequenz-Parameter lägen im Normbereich – zwei Jahre nach dessen Tod. Die Tragik: Das echte Belastungs-EKG vom Sommer 2017 zeigte Auffälligkeiten, die Galanti ignoriert oder heruntergespielt hatte. Erst drei Monate später stellte er dem Kapitän trotzdem die Sporttauglichkeit aus – ohne weitere Tests.
Mit von der Partie: Professor Pietro Amedeo Modesti, der die Unterschrift mit setzte. Auch er kassierte jetzt acht Monate auf Bewährung. Alle drei legen Berufung ein, doch die nächste Verhandlung steht noch offen. Für die Familie Astori ist das ein Déjà-vu: Im Hauptverfahren war Galanti bereits wegen fahrlässiger Tötung verurteilt – ein Jahr, zur Bewährung, seit März 2025 rechtskräftig.

Was der klub jetzt befürchtet
Die Fiorentina selbst blieb strafrechtlich ungeschoren, muss aber eine Million Euro Schmerzensgeld zahlen – ein Zivilurteil, das den Verein in eine neue Etappe der Trauer zwingt. Spieler wie Trainer sprechen offen von einem „offenen Wunden“, weil jedes Gerichtsdokument die Erinnerung an den „Capitano per sempre“ wieder hochkochen lässt. Die Curva Fiesole droht bereits mit einem schwarzen Sack für das erste Heimspiel der Saison 2025/26, sollte der Klub die Zahlung nicht sofort an die Hinterbliebenen weiterleiten.
Und die Liga? Die Serie A zog bislang nur interne Konsequenzen: strengere Kontrollen der Sportärzte, ein landesweites EKG-Register. Doch wer erinnert sich noch an die Namen der Kontrolleure, wenn sich selbst ein Universitätsprofessor ein Schnippchen schlägt? Die italienische Sportmedizin steht am Abgrund – und schaut erneut in den Spiegel.
Die Zahl, die alles sagt: 99 Prozent aller professionellen Fußballer Italiens absolvieren jährlich nur Standard-EKGs, kein Strain-Test. Die Kosten: 80 Euro. Der Preis für das Fehlen: unermesslich.
