Arteta kocht vor wut: arsenal versenkt sich selbst – city tanzt auf wembley

„Fast zählt nicht.“ Mikel Artetas Stimme zitterte, als er die Worte in sich hineinbiss. Nach 2.061 Tagen ohne Titel hätte die Carabao Cup den Befreiungsschlag werden sollen. Stattdessen servierte Arsenal der eigenen Fanszene eine kollektive Ohnmacht – und Manchester City jene Genugtuung, die es nach dem Champions-League-K.o. brauchte.

Die 0:2-blamage in zahlen

Erste Halbzeit: drei Großchancen, null Tore. Dann der Moment, der alte Geister weckt: ein harmloser Rückpass, ein verunsicherter Trafford, plötzlich steht Kepa mit leeren Händen da. Was folgt, ist ein Zwei-Minuten-Kollaps, den selbst Old-Trafford-Kenner so nicht auf der Rechnung hatten. O'Reilly trifft doppelt, der zweite Treffer fällt nach 53 Sekunden Spielunterbrechung. Die Sky-Statistik: seit 2009 keine schnellere Doppelpein für Arsenal in einem Pflichtspiel.

Arteta reagiert mit derlei Sturheit, wie sie seine Mannschaft gerade zerbrach. „Ich würde wieder so wechseln“, betonte er – und meinte damit, dass er trotz des 0:1 erneut auf Angriff stellte. Was folgte, war kein Impuls, sondern ein Blackout. Die Marschrichtung: nur noch nach vorn, aber ohne Plan. City konterte, wie man es vom Rekordmeister gewohnt ist: kühl, schnell, gnadenlos. Arsenal? Ballverluste im Minutentakt, eine defensive Kette, die sich wie ein in die Jahre gekommenes Gummiband spannte und entspannte.

Der mythos vom stabilen projekt bröckelt

Der mythos vom stabilen projekt bröckelt

Mit mehr als einer Milliarde Euro an Transferinvestitionen seit der letzten Trophäe (FA-Cup 2020) ist Arsenal das teuerste Langzeit-Bauvorhaben Europas. Doch die Rechnung lautet: je teurer die Bausteine, desto lauter wird der Vorwurf der ewigen Bauarbeiter. Kein anderer Big-Six-Klub wartet länger auf Silber. Manchester City holte gestern den Pokal, der ihnen vor einer Woche noch abhanden gekommen schien. Chelsea feierte 254 Tage zurück den Klub-WM-Titel, Liverpool 331 den Liga-Coup. Selbst Manchester United (668 Tage) wirkt neben den Gunners wie ein Rennpferd, das noch im Tritt ist.

Die Community Shields von 2020 und 2024? In England ein Trostpreis, offiziell in keiner Statistik vermerkt. Bleibt die nüchterne Bilanz: seit 2.061 Tagen nichts Zählbares, dafür sieben verlorene Ligapokalfinals – Rekord! Die letzte Trophäe datiert auf 1993, als niemand in der heutigen Startelf geboren war.

Fahrplan oder fehlplan? die saison wird zum zitterspiel

Fahrplan oder fehlplan? die saison wird zum zitterspiel

Noch lebt der Traum in drei Wettbewerben. Platz an der Sonne: neun Punkte Vorsprung in der Premier League, Achtelfinale der Champions League, Viertelfinale im FA Cup. Doch die englische Meisterschaft hat ein Nachspiel: das Duell im Etihad steht aus, City hat ein Spiel weniger. Die Champions-League-Auslosung verspricht ein Viertelfinale gegen Bayern oder Real – beide haben Arsenal in den letzten Jahren den Schneid abgekauft. Und der FA Cup? Eine einzige Pleite, und die Saison schrumpft auf ein Tröpfchen Trost.

Arteta kapselte sich nach dem Abpfiff demonstrativ ein. „Wir werden dieses Feuer im Bauch nutzen“, rief er in die Mikrofone. Fraglich nur: brennt das Feuer, oder lodert es unkontrolliert? Die Geschichte des Klubs ist voll von Halbfinals, in denen Arsenal an sich selbst scheiterte. Die Parole für die nächsten acht Wochen lautet: Ergebnisse vor Entwicklung. Denn wer nach einer Milliarde Euro noch auf moralische Siege setzt, der landet irgendwann im Museum der guten Absichten.

Der Countdown läuft: 60 Tage bis Wembley (FA Cup), 55 Tage bis zum möglichen Premier-League-Showdown im Etihad, 40 Tage bis zum Champions-League-Viertelfinale-Rückspiel. Arsenal muss liefern – sonst bleibt nur das tröstende „fast“. Und fast, das wissen wir seit Sonntag, zählt in der Statistik nicht.