Arsenal schlägt chelsea 3:1 – borbe hält, nüsken bleibt blass

20.000 Zuschauer im Emirates Stadium sahen eine Frauenmannschaft, die sich nicht mehr zu verstecken braucht: Arsenal schlug Chelsea 3:1 und zog im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League die erste Spur Richtung Halbfinale.

Die zahlen, die den abend erklären

22. Minute: Stina Blackstenius trifft per Kopf nach einer hereingabe von Beth Mead. 32. Minute: Chloe Kelly verwandelt einen abprallenden Ball aus 13 Metern. 66. Minute: Lauren James schlenzt aus 20 Metern unhaltbar für Anneke Borbe. 76. Minute: Alessia Russo macht mit einem Lupfer ins lange Eck den Deckel drauf. Drei Tore für Arsenal, eins für Chelsea – und doch steckt in jedem einzelnen ein kleines Fünkchen deutscher Fußball-Geschichte.

Borbe, 27 Jahre, einst Doppel-Redaktion bei den Wolfsburgerinnen, stand zum ersten Mal in einem Champions-League-K.o.-Spiel zwischen den Pfosten. Sie entschärfte einen Distanzschuss von Cuthbert, strahlte bei Freistößen Sicherheit aus und war bei James‘ Traumtor chancenlos. „Ich habe gefühlt 20 Minuten gebraucht, bis die Beine locker waren“, sagte sie nach Abpfiff, „aber dann habe ich nur noch das Tor gesehen.“

Sjoeke nüsken lief, fand aber keinen faden

Sjoeke nüsken lief, fand aber keinen faden

Auf der Gegenseite lief Sjoeke Nüsken von der ersten Minute an im Chelsea-Mittelfeld auf. Die 23-jährige Nationalspielerin kam auf 78 Ballaktionen, gewann aber nur 53 Prozent der Zweikämpfe – eine verschleierte Bilanz. Ihre üblichen vertikalen Pässe suchten mannshoch die Spitze, prallten aber an der gut gestaffelten Arsenal-Defensive ab. „Wir haben es ihr zu einfach gemacht“, sagte Chelsea-Trainerin Sonia Bompastre, „wenn Sjoeke nicht den Rhythmus findet, fehlt uns die Mitte.“

Die Partie war mehr als ein Stadtderby. Sie war ein Lehrstück darüber, wie schnell sich Kräfteverhältnisse verschieben. Chelsea dominierte die letzten Jahre die englische Liga, gewann 2021 die Champions League. Arsenal aber baute in den vergangenen zwölf Monaten eine junge, aggressive Truppe um die schwedische Doppeltorschützin Blackstenius und die flinke Außen Mead. Das Ergebnis: ein Sieg, der vor 20.000 Zuschauern nicht einmal glücklich wirken wollte.

Rückspiel am 1. april – ein datum mit tradition

Rückspiel am 1. april – ein datum mit tradition

Am 1. April geht’s nach Stamford Bridge. Chelsea benötigt zwei Tore, ohne zu viel Risiko zu gehen. Arsenal reicht ein Unentschieden, darf aber nicht in alte Passivität verfallen. „Wir haben gelernt, dass Führungen in der Champions League nichts wert sind, wenn man sie nicht verteidigt“, sagte Arsenal-Coach Jonas Eidevall. Für Borbe wird es wohl wieder heißen: Hand schützt, Fuß spielt, Kopf bleibt klar. Für Nüsken: entweder liefert sie die Antwort – oder die Saison endet vorzeitig.

Die Londonerinnen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das weit über die Stadtgrenzen hinausleuchtet. Und wer weiß: Vielleicht steht am Ende nicht nur das Halbfinale auf dem Spiel, sondern auch die Frage, welches Team künftig das Sagen im europäischen Frauenfußball übernimmt.