Arrivabene zerlegt stars: „fußballprofis sind verzogen, piloten sind härter“

Maurizio Arrivabene schlägt zurück. Der Ex-Ferrari-Teamchef und ehemalige Juventus-Manager liefert in einem exklusiven Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt ein brisantes Zwischenzeugnis – und kippt dabei die gängige Mythologie des Profifußballs.

Spalletti bekommt den laufpass – von seinem größten fan

„Luciano baut das Team mit Köpfchen und Haltung neu auf. Ich würde seinen Vertrag sofort verlängern“, sagt Arrivabene. Die Aussage kommt nicht von irgendwo: Der 66-Jährige holte Dusan Vlahovic für 70 Millionen Euro plus Boni nach Turin und sieht in ihm einen Hybriden aus Verstappen-Willen und Leclerc-Charisma. „Er schreibt mir noch heute. Ich antworte mit demselben Satz: ‚Um ein Star zu sein, musst du Diener der Mannschaft werden.‘ Das hat er zuletzt bewiesen.“

Doch der Blick zurück ist nicht nur schmeichelhaft. Arrivabene zieht einen schonungslosen Vergleich zwischen König Fußball und König Klasse 1. „Die Formel 1 fehlt mir mehr. Fußballer sind verwöhnt, Piloten sind kampfbelastet. Da wird nicht gejammert, da wird geliefert.“ Ein Beispiel liefert er sofort nach: „Kimi Räikkönen schickte mir ein Video – Bein in Gips, Ersatzpiloten-Suche am Laufen. Kurz vor dem Rennen zieht er den Gips ab und grinst: ‚War nur ein Scherz.‘ Stell dir vor, Weston McKennie würde so etwas probieren – da wäre sofort der Spielerrat eingeschaltet.“

Juve-parkplatz wurde zur genfer autoschau

Juve-parkplatz wurde zur genfer autoschau

Die Anekdote vom Campus Continassa klingt wie ein Satireskript, ist aber laut Arrivabene Realität. „Wir stellten den Spielern Dienstwagen zur Verfügung. Was passierte? Sie fuhren Lamborghini, Ferrari, limitierte McLaren. Ich ordnete an: Sportwagen ab sofort auf die Straße! Der Gehsteig sah aus wie der Genfer Salon – nur ohne Presse, dafür mit neidischen Teamkollegen.“

Über Schmusekurse hat der Lombardie-Manager nie viel gehalten. Das gilt auch für die Dybala-Trennung. „Keine Sekunde bereut. Wer einmal entscheidet, blickt nicht zurück. Das ist Management, nicht Therapie.“

Deal mit pogba? „niemand hätte das drama ahnen können“

Deal mit pogba? „niemand hätte das drama ahnen können“

Die Paul-Pogba-Transferbilanz zieht er trotz Doping-Sperie nüchtern: „Er war ein guter Transfer, das Publikum liebte ihn. Was danach passierte, stand in keiner Excel-Tabelle.“ Bei Di Maria schiebt er einen Schwenk zur Gefühlswelt des Trainers ein: „Allegri schwärmte in höchsten Tönen. Man muss Talente auch mal schwierige Talente erlauben.“

Arrivabene brennt für Zahlen, aber er liebt die Psyche. „Der erste Scudetto für John Elkann? Ich hoffe auf Doppelpack: Juve-Meisterschaft und Ferrari-Weltmeister. Elkann liefert die Budgets, die Teams müssen die Charakterfrage beantworten.“

Traum-transfer: donnarumma statt dollar-bills

Traum-transfer: donnarumma statt dollar-bills

Wenn er heute eine Checkliste hätte, stünde Gianluigi Donnarumma ganz oben. „Italiens Nummer eins in Turin – das wäre ein Statement. Aber der Markt ist kein Wunschkonzert, sondern ein Poker-Tisch mit verdeckten Karten.“

Zurück in die Formel 1? Nur mit Rot. „Ferrari oder nichts. Vasseur macht seinen Job exzellent, mein Beitrag ist der Applaus von der Couch. Aber eines Tages vielleicht wieder Boxengasse statt Boardroom – denn Motoren sind ehrlicher als Makler.“

Am Ende bleibt ein Fazit, das weh tut – vor allem für die Millionäre im Dress der Alten Dame. „In der Formel 1 zählt der Zehntausendstel-Split. Im Fußball zählt oft nur der Instagram-Follower. Wer da nicht mithalten will, sollte sich ein anderes Spielfeld suchen.“