Arribas schreibt geschichte: 20 tore aus dem mittelfeld – und kein ende in sicht

Sergio Arribas spielt sich in einen Rausch, der selbst das sonst so wortgewandte Trainerherz von Joan Francesc Ferrer „Rubi“ verstummen lässt. 5:1 gegen Real Sociedad B, ein Doppelpack, die nächste Gala. 20 Treffer in 32 Spielen – kein Zweitligamittelfeldspieler hat jemals so effizient getroffen, und schon gar nicht für die UD Almería.

Negredos torrekord ist geschichte – und das war’s noch nicht

Die Zahl 20 ist kein statistisches Kuriosum, sie ist ein Makel in der Erinnerung an Klublegenden. Álvaro Negredo erzielte 2008/09 in der Primera División 19-mal, was bis letzte Woche als unantastbar galt. Arribas schoss diese Marke mit einem Schlenzer aus 16 Metern in den Wind. Dabei ist er kein Strafraumfuchs, sondern ein Spielmacher, der die Lücke sieht, bevor der Gegner sie ahnt.

Die Kugel liegt nach wie vor locker im Netz – und im Kopf des 22-Jährigen. Sieben Assists gesellen sich zu den 20 Toren. In Europas Top-Fünf-Ligen schafften nur Harry Kane, Erling Haaland und Michael Olise mehr direkt Torbeteiligungen. Kylian Mbappé steht exakt gleich. Die Konkurrenz ist Nobel, der Vergleich verrät, in welcher Luft Arribas inzwischen atmet.

Almería jubelt, sporting lissabon lauert, real madrid kassiert kräftig

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Die Andalusier wissen: Solch eine Saison ist wie ein Komet – sie leuchtet hell, aber kurz. Im Sommer 2023 verkaufte der Klub Luis Suárez für rund zehn Millionen Euro nach Portugal; Arribas dürfte die Ablöse-Marke noch einmal deutlich sprengen. 50 % der nächsten Transfersumme fließen an Real Madrid, doch das Wort „Transfer“ besitzt in Almería einen bitteren Nachgeschmack. Die Entscheidung fällt allein zwischen Spieler und Verein – die Königlichen schauen nur auf die Quittung.

Sporting Lissabon hat den Ruf, das spanische Second Division-Talent-Depot Europas zu sein. Suáres, Faye – und nun Arribas? Die portugiesische „Récord“ berichtete bereits von ersten Gesprächen. Eine Ablösesumme von 25 Millionen gilt intern als Untergrenze, die Klausel steht bei 40. Für einen Spieler, der vor zwölf Monaten noch bei Castilla kickte, ein bemerkenswerter Wertanstieg.

Kein dach über dem kopf – warum höhere ligen nur noch formsache sind

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Rubi forderte ihn öffentlich heraus: „Er kann noch entscheidender werden.“ Arribas nahm die Kritik nicht als Angriff, sondern als Kompliment. Sein ehemaliger Jugendtrainer Dani Poyatos prophezeite vor Jahren: „Er überrascht selbst uns Trainer, weil er Lösungen findet, bevor wir die Frage stellen.“ Diese Eigenschaft spiegelt sich in Heatmaps wider, die eher an Seidenfäden als an Laufwege erinnern.

Die Zweite Liga wird für ihn zum Probegang. Die Frage lautet nicht mehr, ob er aufsteigt, sondern wann und wo. Almería wird versuchen, ihn bis 2025 zu halten, doch der Zeitpunkt einer Großtransfer-Melodie rückt näher. Wer 20 Tore und sieben Vorlagen liefert, der trägt nicht nur eine Saison – er schreibt sich selbst die Eintrittskarte in die europäische Spur.

Arribas selbst bleibt kühl. Nach dem Schlusspfiff gegen Sociedad B wehrte er Reporter ab: „Erst wollen wir aufsteigen, dann sehen wir weiter.“ Klingt bescheiden, ist aber ein Machtwort. Denn wer sich selbst Grenzen setzt, bestimmt auch den Zeitpunkt, an dem er sie durchbricht. Die nächste Station wartet bereits – und sie wird teuer.