Köln rettet sich mit steidten: geißbockheim bekommt neuen machtmann

Der 1. FC Köln schmeißt das Handbuch „Überleben in der Bundesliga“ um und holt sich einen Mann, der in England gelernt hat, wie man Talente jagen statt einkaufen muss: Tim Steidten steht vor der Unterschrift als „Direktor Kaderplanung und Recruitment“. Seine DNA ist Scouting, seine Mission heißt Rettung.

Geißbockheim wird zur kommandozentrale

Am Dienstag schon parkte Steidten am Franz-Kremer-Weg, Koffer voller Laptop und Laptop voller Spieler-Kurven. Sein neuer Chef Thomas Kessler wartet mit einem Organigramm auf, das vier Köpfe trägt statt einer einsamen Sport-Geschäftsstelle. Markus Halfmann behält die Akademie, Lukas Berg das Video- und Athletik-Zeitalter, Nicole Bender-Rummler den Frauenfußball. Kessler selbst bekommt endlich eine Crew, die ihm die Hitze des Abstiegskampfes abnimmt.

Die Causa ist klar: Wer wie Köln nur 25 Punkte nach 28 Spieltagen sammelt, muss seine Informationskette professionalisieren oder in die zweite Liga rudern. Die Lösung lautet „systematischer Umbau“, ein Begriff, der in Köln sonst nur für Baustellen an der RheinEnergieStadion-Toilette fällt.

Vierkötter kehrt als jagdhund zurück

Vierkötter kehrt als jagdhund zurück

Mit Tobias Vierkötter kommt ein Scout, der schon 2024 flüchten musste, weil Fortuna Düsseldorf mehr Geld und weniger Druck bot. Jetzt kehrt der 29-Jährige als Chef-Jäger zurück und soll sich um die „Top-Talente“ kümmern – ein Euphemismus für: junge Leute, die später einmal 15 Millionen Euro einbringen, statt sie zu kosten. Vierkötters Spur führt zu Damion Downs und Max Finkgräfe, zwei Profis, die Köln teuer weiterverkaufte. Die Rückhol-Aktion ist also auch ein Versuch, die eigene DNA wieder in die eigene Tasche zu stecken.

Ein Detail bleibt unterschlagen in der Pressemeldung: Marco Höger, ehemaliger Mittelfeld-Rasenmäher, sitzt bereits als Kaderplaner der U 21 in der zweiten Reihe. Jim Decker, der „Koordinator Fußballausbildung“, darf nach Saisonende gehen. Das klingt nach Rosenkrieg, ist aber Teil der neuen Härte: Wer keine Daten liefert, fliegt.

Die Verkündung von Steidten und Vierkötter soll noch vor dem Wochenende erfolgen – ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Mannschaft: Wer jetzt nicht läuft, bekommt im Sommer einen neuen Konkurrenten, der schon beim Frühstück sein Laptop aufklappt. Die Causa 1. FC Köln ist offen, aber das Fundament wird neu gebohrt. Ob es reicht, wird sich zeigen, wenn der Ball wieder rollt. Eines steht fest: In Köln wird nicht mehr gewürfelt, sondern gerechnet.