Antonelli schreibt geschichte: 19-jähriger mercedes-junge jagt verstappen
Kimi Antonelli ist jetzt die Nummer zwei der ewigen Liste. Hinter Max Verstappen. Vor Vettel, vor Hamilton. Mit 19 Jahren, zwei Monaten und 22 Tagen hat der Bologneser in Shanghai seinen ersten Grand-Sieg eingefahren – und dabei die Schulbank mit dem Podest kombiniert.

Die lehrerin erinnert sich an den jungen, der mit 300 km/h nicht aufhörte, hausaufgaben zu machen
„Er saß in Reihe eins, immer“, sagt Alessandra Regina, Lehrerin für Betriebswirtschaft am Salvemini-Gymnasium in Casalecchio di Reno. „Kimi trug das Mercedes-Teamradio im Ohr, aber im Rucksack steckte der Lektürekarton für das Abi.“ Als sie ihn einmal fragte, ob ihn die 300 km/h nicht ängstigten, antwortete er lachend: „Prof, ich mache das seit meinem fünften Lebensjahr.“
Die Zahlen sind schon jetzt absurd. Zweitjüngster Sieger der Königsklasse – und das nach nur 17 Sprintrennen in der Formel 2. Dabei hatte Antonelli 2023 noch den Schulstoff aus dem Flugzeug herunter gearbeitet, während andere Piloten PlayStation zockten. Regina: „Er schrieb uns aus Bahrain, Suzuka, Silverstone: ‚Welche Kapitel kommen dran?‘ Und dann holte er eine 10 in BWL, direkt nach einem GP-Wochenende.“
Die Fakten sprechen für sich: 1,7 Millionen TikTok-Aufrufe in den ersten 30 Minuten nach dem Zieleinlauf, 42 000 neue Instagram-Follower pro Stunde, Merchandise-Umsatz +312 % laut Fanatics. Die italienische Sportzeitung La Gazzetta dello Sport druckte gestern eine Sonderausgabe – Titelbild Antonelli, keine Werbung, nur ein Satz: „Danke, Kimi, dass du das Land wieder aufweckst.“
Doch hinter dem Hype steckt ein Kalkül. Mercedes hat den Youngster nicht aus Nächstenliebe hochgezogen. Der Brite James Vowles, früher Strategiechef, heute Williams-Teamchef, sagte vor zwei Jahren in einem vertraulichen Meeting: „Wer Italien emotional wieder für die Formel 1 öffnet, der besitzt den Schlüssel zu 20 % mehr TV-Einnahmen.“ Antonelli ist dieses Schlüsselchen. Und er spielt die Rolle mit der Coolness eines Vettern, der weiß, dass er der Schnellste im Dorf ist.
Die Schule wartet. „Wir haben den Aula Magna geschmückt, Spumante kaltgestellt, aber kein Datum“, berichtet Regina. „Kimi will vorbeikommen, aber erst muss er in Barcelona Punkte sammeln.“ Denn nächste Woche geht’s weiter. Und die nächste Rekordmarke ist bereits in Reichweite: Youngster mit den meisten Podien in der ersten Saisonhälfte. Aktuell liegt Verstappen mit sechs Stück vorne. Antonelli hat schon drei – nach fünf Rennen.
Für Italien ist das mehr als ein Sieg. Es ist ein Signal an tausende Kart-Kids zwischen Südtirol und Sizilien: Ihr braucht keine rote Farbe, um Weltmeister zu werden. Silber reicht – wenn ihr lernt, Multimillionen-Deals und Mathe-Aufgaben im selben Atemzug zu lösen. Antonelli bewies es. Und er wird es noch einmal beweisen, das spürt man. Denn wer in der Schule schon mit 300 Sachen durch die Kurve geht, dem traust du auch 370 auf der Gegengeraden zu.
