Anna-lena forster zögert: gold-rausch oder karriere-aus bis 2030?
Sechs Mal Gold, ein Mal Bronze – und jetzt? Anna-Lena Forster stemmt sich nach Cortina d’Ampezzo die Skibrille vom Helm, atmet tief durch und sagt den Satz, der die gesamte deutsche Behindertensport-Szene aufhorchen lässt: „Ich schaue von Jahr zu Jahr.“ Die 30-Jährige hat soeben ihre Paradedisziplin Slalom nur auf Rang vier beendet, holte aber vorher Abfahrt und Riesenslalom. Die Bilanz: zwei Gold, einmal Rang vier. Für andere ein Traum, für Forster ein Fragezeichen.

Die 2030er alpen locken – aber nur, wenn der körper mitspielt
Die französischen Alpen rücken näher. 2030 heißt es dort: Bienvenue aux Jeux Paralympiques. Forsters Kommentar dazu klingt wie ein Seitenhieb auf ihre eigenen E-Mails: „Reizvoll, klar. Aber ich werde nicht vier Jahre im Voraus planen, wenn meine Knochen mir nach jedem Training die Rechnung präsentieren.“ Die Monoskifahrerin aus Radolfzell hat seit Sotschi 2014 jeden Winter mit Kriegsschauplätzen in Knie und Rücken verbracht. Die sechs Goldmedaillen hängen im Schatten von sieben Operationen.
Lo que nadie cuenta es: Forsters Team rechnet intern mit einem Zeitfenster von maximal zwei weiteren Saisons, bevor das Material an ihrem Körper gewinnt. Die Physiotherapeuten nennen es „Verschleiß-Countdown“. Forster selbst nennt es „Lebensqualität“. Sie will 2027 in den französischen Alpen bei der WM starten – „das ist fix“, sagt sie und lächelt dabei so kurz, als würde sie sich selbst nicht ganz glauben.
Die Zahlen sprechen trotzdem für sie: 14 Weltmeistertitel, 6 Paralympics-Golds, 38 Weltcupsiege. Ein Lebenswerk, das sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt: „Ich hab alles gewonnen. Jetzt gewinne ich Zeit.“
Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt
