Anna-lena forster jagt gold nummer sechs – cortina brennt

1:15,12 Minuten. Die Uhr blieb stehen, die Konkurrenz blieb zurück. Anna-Lena Forster knallte im ersten Riesenslalom-Durchgang von Cortina d’Ampezzo die Bestzeit auf die Mattscheibe und machte klar: Die Jagd auf ihre zweite Goldmedaille bei diesen Paralympics hat begonnen. Die 30-Jährige aus Radolfzell fuhr mit der Präzision eines Uhrwerks durch die Stangen, nur 54 Hundertstel trennen sie von Momoka Muraoka, der Japannerin, die in Peking noch den Thron verteidigte. Die Spannung ist messbar.

Muraoka lauert, liu sitong attackiert

Die Japanerin ist nicht die einzige, die Forster den Traum vom Riesenslalom-Gold vermasseln könnte. Liu Sitong aus China folgt auf Rang drei, nur 1,26 Sekunden Rückstand. Ein Tick zu viel Risiko, ein Kursfehler – und die sechskämpferische Favoritin müsste wieder von vorne beginnen. Dazu kommt der Ausfall von Audrey Pascual Seco. Die Spanierin, bisher zweifache Goldgewinnerin in Cortina, raste nach Zwischenbestzeit in den Schnee und schied spektakulär aus. Ihre Tränen waren noch nicht getrocknet, da stand Forster bereits wieder in der Startbox.

Für die deutsche Fahnenträgerin wäre es das erste Riesenslalom-Gold überhaupt. Fünf Goldmedaillen hat sie schon, aber eben keine im Riesenslalom. Die Entscheidung fällt um 12.30 Uhr im zweiten Lauf – vorher wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

Rothfuss und co. müssen zittern

Rothfuss und co. müssen zittern

In der stehenden Klasse sieht es für Andrea Rothfuss weniger rosig aus. 3,55 Sekunden fehlen auf die schwedische Favoritin Ebba Arsjö, Bronzerang liegt 1,47 Sekunden weit weg. Anna-Maria Rieder rangiert auf Platz sieben, Maya Fügenschuh ist in der Sehbehinderten-Klasse Zwölfte. Die 17-Jährige und ihre Guide Johanna Holzmann liegen 20,17 Sekunden hinter Veronika Aigner aus Österreich – ein Riesenberg, aber kein Weltuntergang. Erstes Rennen, erste Paralympics, noch ist alles möglich.

Die Sonne über Cortina steht hoch, die Schneekristalle glitzern, und die Deutschen haben noch zwei Läufe Zeit, um Geschichte zu schreiben. Forster kennt das Spiel: Risiko kontrollieren, Kanten setzen, Herz durchstarten. Bei Gold Nummer sechs würde sie nicht nur ins Buch der Rekorde einziehen – sie würde es neu schreiben.