Anja wicker schlägt zurück: bronze nach fehlern, jetzt jagt sie das nächste metall

1:06 Minuten fehlten am Ende, doch die Differenz fühlt sich wie ein Sieg an. Anja Wicker prescht im Finale der Biathlon-Sprintverfolgung der sitzenden Klasse durch die Ziellichtschränke, Bronze, die dritte Medaille bei diesen Spielen, die sechste insgesamt – und alles nach einer Qualifikation, in der sie vier Mal danebenlegte.

Die aufholjagd beginnt beim ersten schuss

Die Stuttgarterin startete als Zwölfte, verließ die Range aber mit dem Gefühl, dass ihre Saison auf dem Spiel steht. Dann passierte das, was ihre Trainer "Wicker-Wahnsinn" nennen: fehlerfreie Serie, Tempo wie auf der Langlaufstrecke, die Konkurrentinnen schrumpfen in der Fernrohrscheibe zu Punkten. Hinter Kendall Gretsch und Kim Junji fuhr sie ins Ziel – 58 Sekunden Rückstand auf Silber, 31 Sekunden Vorsprung auf Rang vier. Die Zahl, die zählt: 3. Medaille, 6. Gesamt.

Die 34-Jährige lacht zwischen zwei Atemzügen. "Happy End, unglaublich", sagt sie und klopft sich mit der Faust gegen das Sitzhalf. Dabei war ihr Winter bislang ein Spiegelbild der Paralympics: Bronze im Sprint, Silber im Einzel, mehrmals hauchdünn am Podest vorbeigerauscht im Langlauf. Nun hängt das Bronzeband schon wieder im Nacken, und sie plant schon den nächsten Angriff.

Samstag und sonntag sind keine epiloge, sondern offene rechnungen

Samstag und sonntag sind keine epiloge, sondern offene rechnungen

Staffel und 20 km Langlauf warten. "Für das Team will ich nochmal richtig reinhauen", sagt sie, während ihre Kollegin Andrea Eskau trotz acht Paralympics-Golds nur Rang sieben erreicht. Eskau schüttelt bei Plusgraden den Kopf: "Zu warm, zu schwer." Wicker kontert mit einem Grinsen: "Mir egal, ich fahre heim, sobald kein Metall mehr übrig ist."

Die Bilanz steht bei sechs Edelmetallstücken, eins davon Gold aus Sotschi 2014. Die Sammlung wächst, und mit jedem Rennen wird klar: Die Athletin ist nicht nur die Dauerläuferin im Team, sondern auch der emotionale Zünder. Wenn sie startet, schlagen Herzen höher – auch die ihrer Gegner.

Die Paralympics in Cortina sind noch lange nicht vorbei. Für Anja Wicker ist die Bronze von heute der Aufgalopp. Samstag und Sonntag könnten ihre Medaillenmappe auf acht wachsen. Ein Happy End also? Für sie ist es erst der Beginn.