Angeschlagene reservisten schießen rayo vallecano zum saison-retter
458 Tage wartete Sergio Camello auf diesen Moment – und traf genau, als der Club am Abgrund stand. Rayo Vallecano schlägt Espanyol 1-0, die Liga jubelt, doch die eigentliche Story spielte sich abseits der Anzeigetafel ab.
Die bank schlägt zurück
Iñigo Pérez hatte nach Abpfiff keine Sekunde Bedenken: „Das wichtigste Spiel seit meiner Amtszeit.“ Kein Superstar, keine Gala-Formation – nur vier Namen, die lange nur in den Spielberichten randstanden. Camello, Cárdenas, Vertrouwd, Mumin. Sie alle standen gestern im Mittelpunkt, weil sie sonst nie im Mittelpunkt stehen.
Der Treffer fiel in der 72. Minute, ein Volley aus 14 Metern, Camello traf erstmals wieder in der Liga seit dem 19. Januar des Vorjahres. 188 Minuten hatte er in dieser Saison gesammelt, die meiste Zeit verbrachte er mit Sprintläufen nach dem Training. „Ich habe nie die Stirn gerunzelt, nie die Karte vergessen, auf der mein Name steht“, sagte er, das Trikot noch feucht vom Jubel.
Dani Cárdenas hütete das Tor, weil Augusto Batalla weiterhin fehlt. Vier Paraden, ein verschossener Elfmeter von Kike García – und ein Bild, das durch die sozialen Netze geht: Cárdenas klettert aufs Tor, klebt mit Isolierband ein Loch im Netz. „Für den Strafstoß trainiere ich, für die Netze bin ich einfach da“, lachte er, „die Fans haben den Sieg verdient.“

Holland und ghana feiern vallecas
Die Innenverteidigung bildeten Pathé Ciss und Joshua Vertrouwd – Letzterer war zuletzt am 6. Januar in der Startelf gestanden, danach kam er nur noch zu Kurzeinsätzen. Gegen Espanyol gewann ersechs von acht Kopfballduellen, zwölf Mal klärte er zur Ecke. Als er in der 81. Minute ausgewechselt wurde, lief Abdul Mumin aufs Feld. Das Stadion tobte.
Mumin hatte sich am 26. Spieltag der Vorsaison das Kreuzband gerissen, 414 Tage später sein Comeback. Die Mitspieler trugen ihn nach dem Schlusspfiff auf den Händen, er verbeugte sich dreimal vor der Südkurve. „Ich habe nur geweint“, sagte er, „und dann habe ich das Geläuf geküsst – nicht den Rasen, sondern die weißen Linien, weil sie mich zurückgeholt haben.“
Trainer Iñigo Pérez ließ die Taktik-Tafel stehen und erklärte: „Wenn du mit diesen Jungs jeden Morgen arbeitest, weißt du, dass Fußball mehr ist als Elfmetertheorie. Heute haben sie mir gezeigt, warum ich diesen Job liebe.“
Rayo hat nun fünf Punkte Vorsprung auf den Strich. Die Saison ist noch lang, aber in Vallecas zählt nur dieser Abend – und vier Namen, die endlich wieder auf der Tagesordnung stehen.
