Andretti zieht den stecker: cadillac-piloten rosten fest
Mario Andretti schlägt nicht länger um den heißen Brei. Der 1978er Weltmeister nennt Pérez und Bottas beim Namen: „Sie sind rostig – beide ein Jahr außerhalb des Cockpits, und das spürt man.“
Kein punkt nach zwei rennen – cadillac steht mit offenem visier da
Die Zahlen sind lauter als jedes Motorengrollen: null Punkte in Bahrain, null Punkte in Jeddah. Für die US-Neulinge ist das kein Ausrutscher, sondern die Realität eines Formel-1-Comebacks auf Biegen und Brechen. Pérez ließ sich nach seinem spektakulären Red-Bull-Aus 2024 ein Jahr schenken, Bottas wechselte von Kick Sauber zurück zu Mercedes – nur um dort Reserve zu bleiben. Nun sitzen sie wieder in einem Auto, das sie kaum kennenlernen durften.
Andretti, seit diesem Jahr offizieller Berater und Markenfigur des Teams, packt auf dem „Drive to Wynn“-Podcast aus: „Neues Reglement, neue Aerodynamik, neue Software – und zwei Fahrer, die erst einmal wieder 300 km/h in die Finger kriegen müssen.“ Der 84-Jährige spricht aus Erfahrung; 1969 prägte er noch das Gesicht in den Borg-Warner-Trophy. Er weiß, wie schnell Selbstvertrauen schmilzt, wenn das Auto nicht mitspielt.

Technikdrama hinter den carbon-kulissen
Der Cadu-C01 – interner Codename für Cadillacs Debütbolide – leidet unter dem gleichen Problem wie Alpine, Williams, RB: Die Power-Unit liefert Energie, aber nicht dann, wenn der Fahrer sie braucht. Batterie-Ladung, Turbo-Response, E10-Tanktemperatur – ein einziges Verwirrspiel. Andretti: „Wir müssen lernen, wann wir zünden können, ohne die Batterie leer zu saugen. Mercedes und Ferrari beherrschen das, wir erst am Anfang.“
Die Chronik mahnt: Wer in der ersten Saison den Anschluss verliert, rutscht in die zweite Saison mit einem Handicap. Cadillac hat keinen großen Budgetpool wie die Konkurrenz aus Stuttgart oder Maranello. Entwicklungs-Gelder sind gedeckelt, Windkanalzeiten limitiert. Jeder verlorener Rennsonntag schlägt sich direkt in der Baukasten-Planung nieder.

Pérez und bottas – zwei biografien, ein gemeinsamer rost
Pérez fuhr 2023 noch Podest um Podest, dann folgte das Debakel mit Red Bulls Interna-Aus. Eine Pause, die ihm selbst seine Familie riet – und die ihn nun teuer zu stehen kommt. Bottas war nie ein Rampensauger, aber ein Zuverlässiger: 10 Siege, 67 Podeste. Bei Mercedes als Edel-Reservist zurückgestuft, verlernte er nicht das Fahren, sondern das Ergebnis-Fahren. Der Finne gesteht intern: „Ich muss wieder lernen, Risko und Reife zu balancieren.“
Beide tragen ein Jahr Torsionsmoment in den Nackenmuskeln. Die neuen 18-Zoll-Reifen verzeihen keine Mikro-Ruckler, das breite Heck des Cadu-C01 straft spätes Einlenken mit Untersteuern. Ein Zehntel fehlt pro Kurve – summiert sich auf eine Sekunde pro Runde. Da helfen auch keine Mentoren-Calls mit Andretti.

Die saison ist lang, aber die geduld kürzer
Die nächste Stoppuhr tickt in Melbourne. Die Strecke erlaubt Überholmanöver, die Temperatur dürfte moderat ausfallen – ideale Bedingungen für ein Punkte-Konto, das endlich von Null weg muss. Cadillac-Ingenieure schicken ein Software-Update mit modifiziertem Energie-Management, Aerodynamiker bringen eine neue Flügel-Konfiguration mit 5 Prozent mehr Abtrieb. Ob das reicht? Andretti zuckt mit den Schultern: „Wir sind nicht allein auf der Lernkurve. Aber wer jetzt nicht trifft, verliert Anschluss bis Silverstone.“
Die Botschaft ist klar: Ein Jahr Zwangspause kostet nicht nur Fitness, sondern auch die Rundengeschwindigkeit im Kopf. Pérez und Bottas müssen innerhalb von drei Grand Prix beweisen, dass ihr Rust-Off-Programm funktioniert. Cadillac wiederum muss belegen, dass das Projekt mehr ist als eine 400-Millionen-Dollar-Werbekampagne für GM.
Die Zahlen von 2025? Drei Rennen, null Punkte – das ist kein Drama, aber eine Warnung. Die nächsten fünf Rennen entscheiden, ob aus Rost wieder Stahl wird.
