Andrea barnjak flüchtet nach slowenien: 19-jahre, em-hattrick, champions-league-vertrag

Andrea Barnjak hat keine Lust auf Wartezimmer-Handball. Die 19-jährige Torjägerin verlässt Österreich, unterschreibt beim serbischen Serienmeister Krim Mercator bis 2029 und schaltet ihre Karriere auf Turbo.

Warum krim mercator genau jetzt zugreift

Der Klub hat Datenanalysten, keine Glaskugel. Die rechneten: 36 Treffer bei der U19-EM, Platz vier, zweitbeste Torschützin hinter einer gewissen Egger. Ziga Novak, Trainer des Champions-League-Viertelfinalisten, rief Philomena Egger, Egger erwähnte Barnjak, Novak schaute sich drei Spiele am Stück an und schickte danach direkt den Vertrag. Kein Probe-Datum, kein Laissez-faire-Gerede, nur ein Blatt Papier mit Jahreszahl 2029.

Barnjak selbst redet nicht vom „großen Schritt“, sie redet vom „logischen Schritt“. Ihre Worte: „Ich wollte nie warten, bis mich alle kennen. Ich will lernen, bevor mich alle einordnen können.“

Was sie in ljubljana erwartet – und was nicht

Was sie in ljubljana erwartet – und was nicht

Training um 07:00 Uhr, Videoanalyse um 08:30, Kraftraum um 10:00. Dazwischen Slowenisch-Kurs, denn Krim spraktiviert keine Dolmetscher. Wer international verpflichtet, soll integrieren, nicht isolieren. Barnjak nimmt einen Online-Kurs seit Februar, Level B1, reicht fürs erste Interview.

Keine Garantie auf Spielzeit. Krim liefert kein Entwicklungsprojekt, sondern erwartet sofortige Durchschlagskraft. Linksaußen Ana Gros, Kreisläuferin Jovanka Radičević, beide 30-plus, erwarten Konkurrenz, keine Schützlinge. Barnjak: „Ich muss mich in jedem Training neu beweisen. Das ist kein Nachteil, das ist Luxus.“

Die hypo niederösterreich zittert – und der öhb-cup bekommt ein finale mit wegguck-verbot

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Vor dem Umzug stehen noch zwei EM-Quali-Spiele an, dann Jagd auf den Double. Hypo führt die Bundesliga vor dem letzten Spieltag, Pokal-Halbfinale Mitte Mai. Verliert Barnjak dort, fliegt sie mit zwei Trophäen im Gepäck. Verliert sie nicht, nimmt sie zwei Pokale mit – und die österreichische Liga verliert ihre beste Nachwuchswaffe. Keine Rakete, aber ein Beben.

Die Zahl, die TrainerInnen nervös macht: 5,7 – ihre Tore pro Spiel im laufenden Bewerb. Wegfall ohne Ersatz, weil Hypo auf Talente setzt, nicht auf Importe. Sportdirektor Manfred Späth sagt offen: „Wir haben keinen Zweiten auf Lager. Andrea ist einmalig.“

Die champions league wartet – und mit ihr die frage nach dem nationalteam

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Österreichs Teamchef Herbert Müller plant mit Barnjak als Leitlinse, doch Krim plant mit 50 Pflichtspielen pro Saison. Reisebelastung, Muskelkater, Verletzungsrisiko. Müller: „Wir werden sie schonen müssen, ohne sie zu bremsen.“ Dialektik in Reinform.

Barnjak selbst lacht über Last-Management. „Wenn ich fit bin, spiele ich. Punkt. Der Rest ist Bürokratie.“ Ihr Vater, Ex-Handballer, begleitet sie nach Slowenien, übernimmt die Wohnungssuche, bleibt zwei Monate. Danach ist sie auf sich gestellt. „Ich bin 19, nicht 14. Ich buche meine Flüge selbst.“

Sie will wissen, wie weit Talent trägt, wenn Trainingslager in Bled stattfinden und Gegnerinnen aus Norwegen, Frankreich, Rumänien aufeinanderprallen. Sie will wissen, ob ihre Schüsse auch dann sitzen, wenn 5.000 slowenische Fans pfeifen. Sie will wissen, ob sie nach zwei Jahren noch Topscorerin ist oder ob sie lernen muss, zu verteidigen, um zu überleben.

Die Antwort bekommt sie ab September, wenn Krim gegen Györ eröffnet. Bis dahin packt sie zwei Koffer, ein Poster von Michael Jordan als Andenken an den ersten Trainer und ein Notizbuch mit 42 Zielen. Seite eins: „Champions League nicht schauen – spielen.“