Amanal petros zerreibt eigene bestmarke: 59:22 in berlin – und ist trotzdem sauer

Neun Sekunden. Genau so viel schneller donnerte Amanal Petros am Sonntag durchs Ziel am Brandenburger Tor – und trotzdem knallte seine Hand gegen die Oberschenkel, als hätte er verloren. Der Grund: 59:22 Minuten bedeuten neuen deutschen Halbmarathon-Rekord, bedeuten Platz drei, bedeuten aber auch: elf Sekunden hinter dem erhofften Traumwert von 59:00.

Die kenianer bleiben vorn – und das mit mikro-margen

Andrea Kiptoo und Dennis Kipkemoi lieferten sich ein Fotofinish, das die Kameras kaum trennen konnten – beide stoppten bei 59:11. Petros musste hinterher, doch sein Blick galt weniger den Konkurrenten als der Uhr. „Ich wollte die 59, keine 59-plus“, sagte er atemlos. Die Zuschauer jubelten trotzdem, denn sie sahen, wie der Marathon-Vizeweltmeister sich selbst übertraf – und das nur drei Monate nach seinem spektakulären 2:04:03 in Valencia, wo er Samuel Fitwis deutschen Rekord um 53 Sekunden pulverisierte.

Die Tempoverschärfung ist kein Zufall. Seit dem WM-Coup von Tokio trainiert Petros mit noch größerer Obsession, wie seine Betreuer verraten: mehr 400er-Intervalle, höhere Laktatschwellen, dazu ein mentaler Coach, der ihn angeblich nachts mit Metronom-Klicks einschlafen lässt. Die Belastung war spürbar: In Kilometer 17 verlor er fünf Meter auf die Spitze, holte sie in der Friedrichstraße wieder auf, verlor sie erneut – ein Seesaw, der Energie fraß.

Deutsche frauen außerhalb des rampenlichts – aber mit tempo

Deutsche frauen außerhalb des rampenlichts – aber mit tempo

Bei den Frauen lief Likina Amebaw aus Äthiopien in 1:05:07 zur Siegerin. Hinter ihr schraubte Esther Pfeiffer aus Düsseldorf ihre Bestzeit auf 1:07:25 – Rang fünf, aber eine Leistung, die in anderen Jahren als Jahressbeste gefeiert worden wäre. Gesa Felicitas Krause (Trier) kam nach 1:08:59 auf Platz 13. Für sie war es der erste Halbmarathon nach der Babypause; sie lachte: „Ich bin froh, dass ich die 69 noch gerissen habe.“

Die Stimmung blieb euphorisch, selbst als der Himmel über dem Boulevard der Einheit aufriß und kalter Wind durch die Torbögen pfiff. Berlin schenkt Petros nun zwei Rekorde innerhalb von zwölf Monaten – und er schenkt Berlin ein Gesicht, das sagt: Weiter, schneller, härter.

Die nächste Chance kommt schon in sechs Wochen: der London-Marathon. Petros flog noch am Sonntagabach zurück nach Hannover, ohne Medaille, aber mit einem neuen Maßstab. Sein Fazit fällt kurz aus: „59:22 ist gut. Aber ich weiß, dass 58 drin ist.“ Wer ihm das zutraut, hat die vergangenen zwei Jahre nicht verpasst.