Alonso übernimmt chelsea: kann er die blues wieder zum giganten machen?
London ist im Schockzustand. Nach einer Saison, die den FC Chelsea in den Mittelpunkt der internationalen Verachtung katapultierte, hat der Verein eine mutige Entscheidung getroffen: Xabi Alonso übernimmt das Ruder. Doch ist der Spanier wirklich der Heilsbringer, den die Blues seit Jahren suchen, oder nur der nächste in einer langen Reihe von gescheiterten Versuchen?
Ein verein am scheideweg
Die vergangene Saison war für Chelsea ein Debakel. Die verpasste Qualifikation für den Europapokal, die katastrophalen Leistungen und die ständige Trainerdiskussion – all das deutete auf einen tiefgreifenden Identitätsverlust hin. Nun soll Alonso, der mit Bayer Leverkusen bewiesen hat, dass er auch aus vermeintlich aussichtslosen Mannschaften etwas zählbares machen kann, den Verein wieder auf Kurs bringen. Die Erwartungen sind enorm, der Druck immens.
Alonso hat in seinen bisherigen Stationen stets einen klaren taktischen Ansatz verfolgt und seine Mannschaften mental gestärkt. Sein Vorbild ist Jürgen Klopp, dessen Erfolg bei Liverpool unbestritten ist. Kann Alonso den „Klopp-Weg“ beschreiten und Chelsea zu einer neuen Identität und Mentalität verhelfen?
Ein Talentpool ohne Struktur
Chelsea verfügt über eine beeindruckende Sammlung talentierter Spieler, darunter einige junge Knackbärte, die auf ihre Chance warten. Doch bislang fehlte es an einer funktionierenden Mannschaftsstruktur und einer klaren Spielphilosophie. Alonso muss aus diesem Haufen Einzelspieler ein schlagkräftiges Team formen. Die Ähnlichkeit zu seiner Zeit in Leverkusen ist frappierend – auch dort erbte er eine Mannschaft mit Problemen und führte sie zu überraschenden Erfolgen.
Ein Schlüsselspieler könnte Cole Palmer sein, ein 24-jähriger Flügelstürmer, der unter Alonso aufblühen könnte. Er erinnert an Florian Wirtz, den Alonso in Leverkusen zu einem Superstar geformt hat. Auch Joao Pedro, ein brasilianischer Stürmer, der sowohl als Vollstrecker als auch als Vorlagengeber fungieren kann, könnte eine wichtige Rolle spielen. Im Mittelfeld steht Alonso ein talentierter Kader zur Verfügung, angeführt von Moisés Caicedo, einem 110-Millionen-Mann, der als Abräumer agieren kann.

Das problem der egos
Doch es gibt auch Stolpersteine. Chelsea ist bekannt für seine großen Egos und die komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen. Besonders Enzo Fernández, der zwischenzeitlich suspendiert wurde und über einen Abgang nachgedacht hat, muss Alonso für sich gewinnen. Der Argentinier ist ein talentierter Mittelfeldspieler, aber seine Disziplin ist fragwürdig. Auch andere Stars wie Alejandro Garnacho müssen unter Alonsos Fittiche lernen, sich dem Team unterzuordnen.
Die Zeit drängt
Chelsea hat sich in den letzten Jahren durch einen enormen Trainerverschleiß ausgezeichnet. Frank Lampard, Mauricio Pochettino, Enzo Maresca und Liam Rosenior – alle scheiterten am Scheideweg. Alonso hat nun die Chance, das Ruder herumzureißen und den Verein zu alter Stärke zurückzuführen. Die Tatsache, dass er offiziell als „Manager“ vorgestellt wurde und mehr Einfluss auf Transferentscheidungen hat als seine Vorgänger, deutet darauf hin, dass der Verein ihm das Vertrauen schenkt, das er braucht, um erfolgreich zu sein.
Die fehlende Qualifikation für den Europapokal gibt Chelsea Zeit, sich zu entwickeln und zu experimentieren. Todd Boehly, der Besitzer des Vereins, hat seit 2022 fast zwei Milliarden Euro in neue Spieler investiert – ohne jedoch den erhofften sportlichen Erfolg zu erzielen. Es bleibt abzuwarten, ob Alonso aus diesem Material etwas Brauchbares formen kann. Die Zeichen stehen auf Neuanfang, aber der Weg ist noch weit.
Die bisherige Erfolgsbilanz von Alonso bei Real Madrid, wo ihm trotz vielversprechendem Start der Sprung zu mehr verwehrt blieb, mahnt zur Vorsicht. Das Verhältnis zu Spielern wie Vinícius Júnior bereitete ihm dort Kopfzerbrechen. Ob er diese Erfahrung nutzen kann, um in London eine bessere Mannschaft zu formen, wird die kommende Saison zeigen. Eines ist klar: Chelsea braucht einen Wunder, und Xabi Alonso ist der Mann, der es versuchen soll.
