Fußball-wm 2026: eine aufgeblähte partienflut und lange wartezeiten!
Die Erweiterung der Fußball-Weltmeisterschaft auf 48 Teams hat eine kuriose Nebenwirkung: Eine schier endlose Flut von Spielen in der Vorrunde, die kaum mehr als eine Vorhut für die eigentlichen K.o.-Runden darstellt. Nach 17 Tagen voller Fußballorgie stehen wir vor dem Absurdum: 16 Teams scheiden aus, während gleichzeitig die Qualifizierten in eine ungewöhnlich lange Wartezeit verfallen.
Die mathematik der enttäuschung
Betrachten wir die Zahlen: 72 von insgesamt 104 Partien werden in der Gruppenphase absolviert – ein Anstieg von 40 Spielen im Vergleich zu 2022 in Katar. Das bedeutet, dass fast drei Viertel aller Spiele dazu dienen, gerade einmal ein Drittel aller Teilnehmer aus dem Turnier zu werfen. Ein mathematischer Witz, der die Frage aufwirft: Lohnt sich diese massive Ausweitung wirklich?
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der WM-Qualifikation in Südamerika. Hier werden 90 Spiele benötigt, um nur drei Teams zu eliminieren – ein groteskes Missverhältnis, das die Sinnhaftigkeit der Erweiterung nochmals in Frage stellt. Selbst Fußballnationen wie Brasilien, die bei der WM 2026 nur den fünften Platz belegten und acht Punkte Vorsprung auf den Playoff-Platz hatten, mussten acht Niederlagen hinnehmen. Das zeigt, dass auch vermeintlich sichere Kandidaten nicht mehr unbesiegbar sind.
Interessant ist auch der Fakt: Die 16 Teams, die in der Vorrunde ausscheiden, entsprechen exakt der Anzahl der zusätzlichen Mannschaften, die für die WM 2026 qualifiziert sind. Ein Zirkelschluss, der die aufgeblähte Natur des Turniers unterstreicht.

Die türkei als warnendes beispiel
Ein bitteres Beispiel für die Tücken des neuen Formats liefert die Türkei unter Trainer Vincenzo Montella. Als eines der ersten Teams scheideten die Türken bereits nach zwei Spielen aus, eine Überraschung angesichts ihres gewissenhaften Kaders. Es ist ein Schicksal, das Haiti bereits widerfahren ist, das nach 52 Jahren Abwesenheit wieder in die WM-Qualifikation zurückgekehrt ist.
Die deutsche Nationalmannschaft hingegen scheint, trotz des enttäuschenden 7:1 gegen Curacao, dank einer hohen Tordifferenz und einer frühen Qualifikation eine gute Position zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu qualifizieren, lag nach dem ersten Spiel bereits bei 99,6 Prozent – ein bemerkenswertes Ergebnis angesichts des relativ schwachen Gegners. Es bleibt abzuwarten, ob die deutsche Mannschaft diese komfortable Ausgangsposition nutzen kann.

Die lange wartezeit und der vergleich zu usa '94
Ein weiterer Aspekt, der viele Beobachter beschäftigt, ist die ungewöhnlich lange Wartezeit zwischen der Gruppenphase und den K.o.-Runden. Die USA, die sich bereits am 19. Juni für die nächste Runde qualifizierten, müssen bis zum 1. Juli warten, bevor sie wieder ein Pflichtspiel bestreiten. Eine Ewigkeit im hektischen Geschäft des internationalen Fußballs.
Im Vergleich dazu wirkt die WM 1994 in den USA wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Auch damals gab es einige Überraschungen und unerwartete Ergebnisse, doch die Spannung und die Intensität waren spürbar höher. Die deutsche Mannschaft, damals unter der Leitung von Arrigo Sacchi und Carlo Ancelotti, überstand trotz einer Niederlage gegen Irland die Gruppenphase und scheiterte erst im Elfmeterschießen am Brasilien von Romário.
Die WM 2026 verspricht zwar große Chancen für kleinere Fußballnationen, doch die großen Teams müssen sich nun mit einer aufgeblähten Gruppenphase und langwierigen Wartezeiten abfinden. Ob dieses neue Format wirklich zur Steigerung der Qualität und Attraktivität des Turniers beiträgt, bleibt abzuwarten. Die Zeit wird es zeigen.
