Allegri und milan: acht spiele, die alles entscheiden

Acht Spieltage. Vier Siege. Das ist die Gleichung, die Massimiliano Allegri im Kopf trägt, wenn er an die Champions League denkt. Der 58-Jährige hat gerechnet, und seine Kalkulation ist simpel: Vier Dreier reichen, um den Rossoneri die Königsklasse zu sichern. Theoretisch könnten die restlichen vier Partien verloren gehen. Theoretisch.

Das problem mit dem mailänder mittelmaß

Wer den AC Milan in dieser Saison beobachtet hat, weiß: Diese Mannschaft kennt keine halben Sachen – außer wenn es um Unentschieden geht. Neun Remis unter den ersten Sechs, gleichauf mit Como und Juventus. Das ist keine Statistik, das ist eine Charakterbeschreibung. Der Diavolo schwankt, zittert, und liefert dann plötzlich einen Abend wie gegen Napoli im Hinspiel. Ein Sieg, der jetzt, mit Blick auf ein mögliches Punktegleichstand-Szenario, mehr wiegt als damals gedacht.

Im Hinspiel der letzten acht Begegnungen holte Milan genau vier Siege – gegen Udinese, Napoli, Verona und Cagliari. Vier Unentschieden gegen Juve, Atalanta, Sassuolo und Genoa. Die Bilanz spricht nicht von einem Spitzenteam. Sie spricht von einer Mannschaft, die sich selbst im Weg steht.

Allegris geschichte: triumphe und ein abruptes ende

Allegris geschichte: triumphe und ein abruptes ende

Hier liegt das Interessante. Allegri hat Endspurts erlebt, die in die Annalen eingingen – und solche, die man lieber vergisst. In der Saison 2017/18 führte er Juventus mit vier Punkten Vorsprung in die letzten acht Spiele. Der Puffer schmolz auf einen einzigen Punkt zusammen, bevor er Madama doch noch den Titel bescherte. Bilanz: fünf Siege, zwei Remis, eine Niederlage. Ein Finale mit Herzschlag.

Die Saison darauf war das Gegenteil: 18 Punkte Vorsprung an der 30. Spieltag. Allegri konnte sich Ausrutscher leisten – und tat es. Drei Niederlagen in den letzten acht Spielen, die am Ende niemanden interessierten. Ein Meistertitel im Schlafanzug.

Dann kam das Allegri-Comeback in Turin. Und mit ihm eine Ernüchterung, die sich über zwei Spielzeiten zog. 2021/22 schloss Juventus auf Platz vier ab, sieben Punkte hinter dem damaligen Spitzenreiter Milan. 2022/23 sogar auf Platz sieben. Die Zahlen der letzten acht Spieltage erzählen in beiden Fällen dieselbe Geschichte: Schwankungen, Niederlagen, kein Rhythmus.

Am bittersten war das Ende der Saison 2023/24. Allegri durfte nicht mal ins Ziel. Nach dem 1:1 gegen Salernitana am 36. Spieltag war Schluss – trotz des Pokaltitels. Rausgeworfen, bevor der letzte Akt geschrieben war.

Was jetzt zählt, ist der kopf der mannschaft

Was jetzt zählt, ist der kopf der mannschaft

Allegris eigentliche Aufgabe in diesen letzten acht Spielen ist keine taktische. Es geht darum, eine Gruppe zusammenzuhalten, die gegen Lazio in Rom einen kompletten Stromausfall erlebt hat. Solche Momente kosten Punkte. Und Punkte kosten Champions League.

Die aktuelle Punktequote von 2,1 pro Spiel müsste Milan nicht mal halten, um das Ziel zu erreichen. Aber wer glaubt, dass diese Mannschaft entspannt ins Ziel trottet, kennt den Diavolo nicht. Der beste Ratgeber für Allegri wäre ein Blick in den Spiegel – und dann in die Statistiken von 2017/18. Damals hat er bewiesen, dass er unter Druck liefern kann. Jetzt muss er es noch einmal zeigen. Diesmal ohne Sicherheitsnetz.