Alcaraz trägt bienenkostüm nach sieg – indian wells vor dem ausverkauft

Carlos Alcaraz lachte, als er den Stoffkopf abnahm. Unter dem gelb-schwarzen Fell klebte Schweiß, das Haar stand wirr. Sekunden zuvor hatte er Cameron Norrie mit 6:3, 6:4 vom Platz gefegt und sich direkt danach in ein Bienenkostüm gezwängt. 20 000 Zuschauer im Stadion „Tennis Paradise“ brüllten sich heiser. Es war keine Marketing-Aktion, sondern eine Schuldentilgung.

Warum der weltklassespieler plötzlich als insekt auftrat

Die Geschichte begann 2024, als ein echter Schwarm das Viertelfinale gegen Zverev lahmlegte und Alcaraz zugab, „ein bisschen Angst“ vor den Tieren zu haben. Seitdem verfolgen ihn die Pelkum-Fans in Bienenanzügen von Turnier zu Turnier. In Indian Wells stellten sie sich hinter die Grundlinie, zogen die Ränder ihrer Masken hoch und riefen seinen Namen. Alcaraz nickte, gab seinem Team ein Zeichen und verschwand nach dem Match unter die Tribüne. Zwei Minuten später kam der 22-Jährige als überdimensionale Biene zurück, tanzte mit den Kids und ließ sich Selfies machen. „Ich habe versprochen, dass ich die Rechnung begleiche, wenn ich ins Halbfinale einziehe“, sagte er. „Heute war der Tag.“

Der Spass kostete ihn keine Energie. Im Gegenteil: Alcaraz ließ Norrie keine Spur von Hoffnung. Der Brite traf nur 48 % der ersten Aufschläge, gewann gerade einmal 29 % der Punkte auf Alcaraz’ zweitem Aufschlag. Der Spanier kam 23 Mal ans Netz und holte dort 19 Punkte – Zahlen, die an die Großen der 90er erinnern. „Er spielt ein anderes Spiel als alle anderen“, stöhnte Norrie im Interview. „Ich habe das Gefühl, gegen drei Gegner gleichzeitig anzutreten.“

Medwedew wartet – und der zeitplan wird knapp

Medwedew wartet – und der zeitplan wird knapp

Am Samstag trifft Alcaraz auf Daniil Medwedev, der Jack Draper in einem mit Abstand emotionalsten Match des Turniers mit 7:5, 6:4 beseitigte. Die Partie war nach 87 Minuten unterbrochen worden, weil Draper eine Linienentscheidung für „lächerlich“ hielt und den Stuhlschiedsrichter als „Witzfigur“ bezeichnete. Medwedew nutzte den Konterschlag, schaltete einen Gang höher und zerstrahlte den Titelverteidiger mit platzierten Returns. Nun droht ihm Alcaraz’ Tempo-Tennis.

Der Spanische Verband rechnet mit einer TV-Quote von über 4,5 Millionen Zuschauern in Spanien allein – ein Rekord für ein nicht-Grand-Slam-Match auf Hartplatz. Der Grund: Alcaraz hat in diesem Jahr erst einmal gegen Medwedew verloren, im Tiebreak von Wien, und will Revanche. „Ich kenne seine Muster“, sagt er. „Aber er kennt auch meine. Wer zuerst rausfindet, wer den anderen rausfindet, gewinnt.“

Die Bienenkostüm-Aktion kursiert inzwischen auf allen Plattformen. TikTok meldet 18 Millionen Klicks in zwölf Stunden, der Hashtag #BeeCarlito trendet weltweit. Geschäftsführer Tommy Haas kündigte an, restliche Tickets für das Wochenende nachzudrucken – sie seien „so gut wie weg“. Der Gewinner des Turniers kassiert 1,1 Millionen Dollar, doch für Alcaraz zählt vor allem der Zeitpunkt. In sieben Tagen beginnt die Sandplatzsaison, seine Lieblingsjahreszeit. Wer ihn in Indian Wells noch stoppen will, muss jetzt einen Schritt schneller sein als ein Flummi in Sneakers – und eine Biene, die plötzlich vor ihm auftaucht.