Albon räumt murmeltier ab: quali-platz in montreal weg
17:28 Uhr Ortszeit, Kurve 7: Alexander Albon jagt mit 240 km/h über die Inselbrücke, da schießt ein pelziges Bündel zwischen die Betonwände. Aufprall. Karbon fliegt. Der Tierarzt kommt zu spatt – das Murmeltier ist sofort tot, die Williams FW46 lahm. Fünf Minuten später steht fest: Getriebe und Power Unit hinüber, Thai-Brit startet morgen vom letzten Gridplatz. „Meine einzige Sorge: Mama zwingt mich, die ganze Murmeltier-Familie zu adoptieren“, lacht Teamchef James Vowles, doch hinter dem Jargon zittert die Kasse: 400.000 Euro Schaden, drei Motorenstrafen im Sammelbecken.
Der crash, der die sprint-quali sprengte
Montreal war ohnehin auf Messers Schneide. Wegen eines verschärften Rasen-Reglements durfte die Strecke nur eine Freie Trainings-Session fahren – die eben jene, in der Albon das Tier traf. Kein Ersatzteil rechtzeitig, keine Laptimes. Während Max Verstappen und Lando Norris um die Pole kämpften, stand der 28-Jährige im Fahrerlager und schaute auf ein leeres Zeitenschild. „Wir haben die Nacht durchgeschraubt, trotzdem war klar: ohne Getriebe kein Start“, sagt Vowles. Die Mechaniker schlossen um 2:13 Uhr ab, danach durfte kein Werkzeug mehr angefasst werden – Parc-Fermé-Regel.
Die Szene erinnert an 2007, als ein Waschbär Ralf Schumachers Toyota in Indianapolis aufriss. Doch diesmal war die Kollision frontal. Die Hochgeschwindigkeits-Aufnahme zeigt, wie sich das Murmeltier ausgerechnet in der Bremszone aufrichtet – ein letzter Sprung ins Unglück. Die FIA erhöhte daraufhin den Streckenposten in Sektor 2, doch Tierschützer kritisieren: „Zäune reichen nicht, wenn die Tiere unter den Planken durchtunneln“, sagt Kanadas Wildlife-Expertin Claire Dubois. Ihre Forderung: Trainings nur bei Tageslicht, damit Wildtiere rechtzeitig erkannt werden.

Albons saft-blut-rechnung wächst
Der Schaden kommt für Williams zur Ungelegensten Zeit. Die Briten kämpfen mit Haas und RB um Konstrukteurs-Punkte, jedes Pfund zählt. Durch den Crash verliert Albon sieben Startpositionen, die Punktezone rückt in weite Ferne. Und es bleibt bitter: Das getötete Tier war laut Park-Verwaltung ein Groundhog, ein Symbol für Montreal – seit Jahrzehnten Maskottchen der Strecke. „Wir haben ihm sogar einen Namen gegeben: Chuck, sagt ein Anwohner. „Jetzt liegt er in der Boxengasse, und die Mechaniker haben eine kleine Schraube als Grabstein hingelegt.“
Am Sonntag will Albon mit einer Sonderlackierung protestieren: Statt Sponsoren-Logos prangt ein winziges Murmeltier auf dem Heckflügel. „Ein Denkmal, aber auch Mahnung“, sagt er. „Wir fahren 300 Sachen – da reicht ein Herzinfarkt, und alles ist vorbei.“ Die FIA wird prüfen, ob Wildwarn-Systeme wie in Singapur und Bahrain auch für Montreal kommen. Bis dahin heißt es: Augen auf, Zähne zusammen, Gas geben – und hoffen, dass kein weiteres Tier die Ideallinie kreuzt.
