Alba zerquetscht vechta – berlin marschiert ins halbfinale und will bamberg den kopf waschen
Die Uber Arena bebt, der Schweiß tropft von der Decke – und auf dem Parkett erstickt Alba Berlin jeden letzten Funken Rasta-Widerstand. 98:89 nach 40 Minuten puremPlayoff-Feuer, und damit steht der Hauptstadtklub verdient im Halbfinale. Gegner am Samstag: Brose Bamberg, genau die Mannschaft, die Alba im Februar im Pokalfinale das Herz herausgerissen hat. Revanchestimmung? Liegt dick in der Luft.
Blitzstart, blutende abwehr, blankes tempo
Keine Sekunde Abtasten, keine Atempause. Jonas Mattisseck und Alonzo Verge gehen sich schon im Springseilmodus an die Gurgel, Martin Hermannsson dirigiert wie ein Dirigent, der keine Partitur braucht – 6:2 nach 109 Sekunden. Berlin setzt sich, Vechta hängt. Dann der erste Schock für die Gäste: Tibor Pleiß foult sich nach fünf Minuten auf die Bank, und damit bricht die Luft aus der Rasta-Zone heraus. Alba schnürt Vechta ein, 34:23 nach einem Zuckerpass von Hermannsson auf Justin Bean, 40:27 nach einem weiteren Tempogewitter. Der Vorsprung wächst, wächst, wächst – bis zur Halbzeit 50:40.
Unter den 8.867 Zuschauern sitzt Johannes Thiemann, frischgebackener Weltmeister und frischgebackener Ex-Alba-Profi. „Schön, mal von der Tribüne aus zu schauen“, sagt er mit einem Grinsen, „ich tippe auf Berlin.“ Seine alten Kollegen machen es ihm leicht.

Vechtas letzter sturm stirbt an der wirklichkeit
Alba kommt aus der Kabine und legt noch eine Schippe drauf: 74:58 nach 28 Minuten nach einem Wood-Korbleger – das sieht nach einem lauen Abend aus. Doch Chris Held wirft die Joker. Joschka Ferner, Linus Trettin, Philipp Herkenhoff – allesamt ohne Playoff-Druck, weil ohne Playoff-Erfahrung – schrauben ein 16:4-Gegenfeuer an die Anzeigetafel und schrumpfen den Rückstand auf 74:70. Die Arena zittert. Die Berliner? Nicken nur.
Jack Kayil donnert per Dunking die Lautsprecher aus dem Beton, Justin Bean nagelt den Dreier zum 87:76 – Restmüll. Die letzten Minuten sind ein Fest für die Blau-Weißen. Die Fans schmettern Hermannssons Namen, während die Uhr runtertickt. 98:89 – das wars. Die Party beginnt, Bamberg wartet.

Der mann des abends trägt keine krone, sondern zahlen
20 Punkte, 5/7 aus dem Feld, ein paar Blicke von NBA-Scouts – Jack Kayil schlägt ein wie eine Bombe. Daneben lässt Martin Hermannsson seine 17 Punkte und 10 Assists sprechen und scheut jede Selbstbeweihräucherung. „Wir haben gelernt, was Playoff-Basketball bedeutet. Jetzt lernen wir weiter.“
Für Vechta bleibt die bittere Erkenntnis: Ohne Pleiß und mit einem Alonzo Verge, der mit 19 Punkten zwar brilliert, aber letztlich gegen fünf Berliner nicht reicht, reicht eben nichts. Saisonende, Flug nach Hause, Frust.
Am Samstag kocht Berlin wieder. Bamberg will die Pokalsensation wiederholen, Alba will Blut sehen. Die Arena ist ausverkauft. Die Revanche ist angerichtet. Und wer weiß – vielleicht sitzt Thiemann wieder in der ersten Reihe und nickt zufrieden.
