Ajax sticht garcía: ex-barcelona-profi übernimmt sofort

Der FC Ajax lässt den Trainerstuhl nicht länger wackeln – und setzt auf einen Mann, der die Amsterdamer DNA bereits unter der Haut trägt. Oscar García, bis gestern noch Coach des Reserveteams Jong Ajax, übernimmt mit sofortiger Wirkung die erste Mannschaft. Fred Grim, der die Interimslösung nach dem Rauswurf von Maurice Steijn war, rutscht zurück ins Jugendwerk.

Interne lösung mit externem fahrplan

Jordi Cruijff spricht von „einem klaren Schnitt“, doch der Blick auf Garcías Vita zeigt: Der 50-Jährige ist kein Notnagel. Seit Januar coacht er Jong Ajax, holte aus sieben Spielen 16 Punkte und schoss die U23 in die oberste Niederländische Reserve-Liga. Davor füllte der Barcelona-Lausbub seine Trophäenschränke: zweimal Österreich-Meister mit Salzburg, einmal Meister in Israel mit Maccabi Tel Aviv. Kurz: Er gewinnt, wo er landet – und das in nur elf Jahren auf den Chef-Banken Europas.

Die Zahlen, die Ajax in dieser Saison verursacht, sind das genaue Gegenteil: Platz fünf nach 25 Spielen, bereits neun Punkte Rückstand auf PSV, dazu das 0:4-Debakel gegen Feyenoord. García bekommt nun acht Finals, um die Champions-League-Quali noch zu retten. „Wir haben keine Zeit für Experimente“, sagt Cruijff und spielt damit auf die kurze Geduldsspaniel der Aktionäre an. Der Börsenkurs von Ajax sank seit Saisonbeginn um 18 Prozent – ein Versäumnis der Königsklasse würde weitere 30 Millionen Euro an TV-Geldern kosten.

Sein stil: hohe defensive, sofortiger gegenpressing-umschalt

Sein stil: hohe defensive, sofortiger gegenpressing-umschalt

Wer Garcías Salzburg erlebte, sah einen Turbo-Fußball: 4-3-3 mit ballorientiertem Pressing, Außenverteidiger, die halb Flügelzelle spielen, und einem Sechser, der lieber steil filtert als quer verteidigt. In Amsterdam wartet allerdings Material, das seine Philosophie unterschreibt: Steven Berghuis dribbelt gern in die halbräumliche Falle, Dusan Tadic denkt noch schneller als seine Pässe, und Kenneth Taylor bringt die Laufweite eines Box-to-Box-Spielers mit. Das Problem: Die Abwehr kollabiert bei jeder zweiten Standardsituation. García muss also zuerst die Köpfe richten, dann die Systemfrage klären.

Sein Ass im Ärmel könnte Carlos García sein – nicht sein Bruder, aber sein bisheriger Co. Die beiden starteten gemeinsam vor einem Monat bei Jong Ajax und schmiedeten dort eine Art Mikro-Kadersystem: wer trainiert präzise, spielt automatisch. Diese Hierarchie wird nun in die Arena von Amsterdam übertragen, wo Millionengehälter sonst die Nummern festlegen. „Wir bringen keine Angst mit, sondern eine Checkliste“, sagt Oscar García beim Presse-Appell. Punkt eins: „Kein Gegentor in den ersten 15 Minuten.“ Statistisch fielen Ajax in dieser Saison acht Treffer vor der 20. Minute – Liga schlechtester Wert.

Die Fans reagierten auf Twitter mit gemischten Gefühlen: „Warum nicht einen internationalen Brand-Coach?“ lautet ein Kommentar mit 1.400 Likes. Die Antwort liefert die Historie: Ajax gewann seine letzten fünf Titel mit Ex-Spielern oder langjährigen Vereinsangestellten – van der Sar, Overmars, Blind. García passt ins Raster, weil er Sprache und Kultur des Klubs studiert hat, nicht nur analysiert.

Am Sonntag folgt gleich die Generalprobe: Auswärts bei Sparta Rotterdam, dem Angstgegner der letzten Jahre (nur ein Sieg aus den letzten fünf Duellen). Ein Sieg würde Ajax auf Platz drei katapultieren und die Stimmung im Johan-Cruyff-Arena-Kessel wieder auf 100 Grad bringen. García selbst bleibt kühl: „Ich bin kein Retter. Ich bin ein Organisator von Siegen.“ Wenn er die acht restlichen Spiele gewinnt, darf er im Sommer planen – verliert er zweimal, wird sein Vertrag zur Fußnote. Die Amsterdamer haben sich entschieden: Nicht das große Namensschild zählt, sondern das kurze Zeitfenster, das sie jetzt noch nutzen können. Für García beginnt die Stoppuhr bereits beim Abpfiff in Rotterdam. Seine Devise: „Kein Spiel wird uns mehr weggenommen.“