Aicher jagt shiffrin: schwedischer heimvorteil versetzt den gesamtweltcup ins wanken

Are – 300 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, aber mitten im Herzstück ihrer Ski-Biografie, hat Emma Aicher dem US-Superstar Mikaela Shiffrin am Freitag einen Kaltstart verpascht. Nach Lauf eins des Riesenslaloms trennen die beiden 1,03 Sekunden – und damit sechs Plätze im Zwischenklassement. Für Shiffrin eine Ewigkeit, für Aicher die Chance, im Gesamtweltcup noch einmal richtig nachzulegen.

Die 22-Jährige, in Sundsvall geboren und in Järpen zum Ski-Gymnasium gegangen, liegt nach Run eins auf Rang sechs. Das reicht, um zu träumen – und um Shiffrin unter Druck zu setzen. Die US-Amerikanerin, sonst so selten anfällig für Patzer, rutschte nach Top-Zwischenzeiten kurz vor dem Ziel weg. Zwölfter Platz, 1,03 Sekunden Rückstand. So viel hat Shiffrin in dieser Saison selten liegen lassen.

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Doch die Favoriten kommen aus der Schweiz und aus Österreich. Camille Rast führt nach dem ersten Durchgang, Julia Scheib folgt als Zweite mit nur 0,11 Sekunden Rückstand. Rast (471 Punkte) ist zugleich erste Jägerin von Scheib (560 Punkte) im Kampf um die kleine Kristallkugel im Riesenslalom-Weltcup. Ein Duell, das sich heute Nachmittag in einem Sprint entscheiden könnte.

Lena Dürr verpasst die Spitzengruppe. Die deutsche Technik-Spezialistin liegt nach Lauf eins auf Platz 17 – zu viel, um ernsthaft mitzureden, zu wenig, um aufzugeben. Für sie wird es vor allem darum gehen, Punkte zu sammeln und das Selbstvertrauen vor dem Slalom am Sonntag zu polieren.

Für Aicher sind dieses Wochenende zwei Heimspiele in einem. Der Riesenslalom heute, der Slalom am Sonntag – beide in Are, beide auf Pisten, die sie auswendig kennt. Die zweifache Olympia-Zweite hat hier ihre ersten Schwünge gezogen, hier ihre ersten Siege gefeiert. Und jetzt könnte sie hier Shiffrin den Rang ablaufen. Die Faszination des Sports: Manchmal reicht ein Fehler, um die Machtverhältnisse neu zu vermessen. Shiffrin weiß das, Aicher auch. Und deshalb wird der zweite Lauf ein Kampf – nicht nur um Sekundenbruchteile, sondern um die Krone im Gesamtweltcup.