Aicher jagt shiffrin durch schweden: dürrs comeback nach mailand-desaster
Are wird zum Krimi. Emma Aicher muss 125 Punkte aufholen, Lena Dürr will den Olympiapoker vergessen machen – und Mikaela Shiffrin wartet oben mit einem Grinsen, das seit vier Tagen nicht mehr weg will.
Die lage vor dem start
Sechs Rennen sind es noch. Im Gesamtweltcup funkelt die kleine Kristallkugel, aber zwischen ihr und der 22-jährigen Oberstdorferin steht eine US-amerikanische Slalom-Königin, die in Val di Fassa gerade erst bewiesen hat, wie schnell Punkte vernichtet werden. 125 Zähler Vorsprung klingen nach Polster, doch wer die Saison verfolgt hat, weiß: Ein Sturz, ein Tor, ein Windstoß – und die Meisterschaft rutscht dir zwischen den Ski aus dem Griff.
Lena Dürr flog nach Mailand-Cortina als Geheimfavorin, stürzte beim ersten Slalomtor und schied aus. „Ich bin fit und freue mich auf den Endspurt“, sagt sie nun – so knapp klingt das bei einer 34-Jährigen fast schon wie ein Relaunch. Are ist ihr Lieblingsort, vier Top-10-Platzierungen in Folge, kein anderer Hang verzeiht so wenig wie der schwedische Wellenbereich. „Relativ flach und wellig“, nennt sie es, was für uns heißt: Wer hier trägt, verliert. Wer hier Gas gibt, kann die Saison retten.

Deutsches aufgebot zwischen risiko und reue
Im Riesenslalom neben Aicher und Dürr: Fabiana Dorigo, 23, mit dem ersten Saisonstart seit ihrer Kreuzband-Operation. Im Slalom gesellt sich Jessica Hilzinger hinzu, die in Levi noch einmal bewies, dass Nerven nicht ihr Problem sind – nur die Konstanz. Für Aicher sind das keine Statistenrollen. Jede Deutsche, die vor ihr landet, frisst Shiffrin Punkte weg. Jede, die hinter ihr bleibt, liefert Druck.
Die Taktik? Keine. „Volle Attacke und bei den Übergängen clever fahren“, lautet Dürrs Credo – und genau das ist es, was Aicher seit Saisonbeginn versucht. Der Haken: Shiffrin ist cleverer. Zumindest bisher.
Was auf dem spiel steht
Sollte Aicher die Lücke bis Saisonende nicht schließen, wäre es trotzdem ihr bestes Gesamtergebnis. Doch der Blick richtet sich schon nach Norwegen: Im Finale in Kvitfjell/Stranda gibt es pro Disziplin nur ein Rennen – und Aicher ist im Speed stärker als Shiffrin. Die kleine Kristallkugel im Abfahrtsweltcup ist noch drin. Die große hingegen verlangt ein Wunder, das mit jedem Tor in Are kleiner wird.
Um 9:30 Uhr am Samstag geht’s los. Dann zeigt sich, ob Dürr ihre Mailand-Dämonen beerdigt – und ob Aicher die Frage nach der Kugel endlich mit einem Satz beantwortet, der länger ist als „Ich bin angepisst“. Shiffrin wird zuschauen. Und sie wird lächeln. Bis jemand ihr das wieder austreibt.
