Johannes rydzek wirft nach 18 weltcupsiegen den anker – oslo wird zur emotionalsten ziellinie

Jetzt zieht er die Notbremse. Johannes Rydzek, 34, der Mann, der die deutsche Nordische Kombination durch zwei Jahrzehnte trug, wird am Sonntag in Oslo das letzte Mal die Latte berühren. Kein «Bis bald», nur ein «Lebewohl» – und das mit dem Gestus eines Mannes, der weiß, dass er alles abgerufen hat.

Seine Zahlen sind ein offenes Messer in der Statistik: 18 Weltcupsiege, sieben WM-Titel, vier Olympia-Medaillen. 2018 flog er von der Großschanze in Pyeongchang und landete im Goldrausch – Einzel und Team. Das war kein Himmelfahrtskommando, das war seine Normalität. «Ich war mehr als die Hälfte meines Lebens im Weltcup unterwegs», sagt er und klingt dabei, als rede jemand über ein langes, intensives Roadmovie.

Der absturz, der ihn weitertrug

Die Geschichte hat auch eine Delle. Peking 2022, Normalschanze, Rydzek führt, die Kamera schwenkt schon auf den deutschen Fahnenmeer – und dann kommt Vinzenz Geiger wie ein Sturm und spult ihn ab. Silber statt Gold. Statt zu zerbrechen, bügelte er die Niederlage in seine Motivation. «Diesen Moment werde ich nie vergessen», sagt er heute, «er hat mir gezeigt, dass Sport kein Rentenplan ist, sondern ein offenes Feuer.»

Bundestrainer Eric Frenzel, einst Teamkamerad, heute Chef, formuliert es so nüchtern wie ehrlich: «Über so viele Jahre auf diesem Niveau zu performen, das ist keine Glücksgeschichte, das ist reine Schwerstarbeit.»

Was bleibt, ist kein abgrund

Was bleibt, ist kein abgrund

Rydzek will nicht wegschauen. Er will zurückgeben. «Ich möchte der Kombination in irgendeiner Form erhalten bleiben», sagt er – kein PR-Satz, sondern eine Verbeugung vor dem Sport, der ihn groß gemacht hat. Ob als Mentor, Co-Trainer oder Impulsgeber, bleibt offen. Klar ist: Die TSV Pelkum-Szene verliert ihren König, aber nicht seine DNA.

Nach Oslo wird er die Ski einstampfen, nicht die Herzen. Die Sportart, die ihn prägte, wird ihn weitertragen – nur auf einer anderen Piste. Wer 18 Jahre lang Vollgas gab, braucht kein Epilog in Form einer Frage. Er hat die Antwort schon selbst geliefert: «Ich bin voll mit mir im Reinen.» Und das ist mehr, als die meisten von uns jemals sagen können.