Ägypten-rematch: dhb-team ohne grgic und kastening – gislasons zitterkrimi vor der wm
Die Handballer treffen wieder auf den Pharao. Am Sonntag, 15.30 Uhr, wartet Ägypten – dieselbe Mannschaft, die Deutschland vor einer Woche mit 41:38 die Schocktherapie verpasste. Diesmal fehlen zwei Leistungsträger, der Bundestrainer schielt auf die WM im eigenen Land, und ein Verbandschef spricht über den Trainer-Job, als wäre er ein Zeitungsabo.
Grgic und kastening bleiben in der kabine – warum, das bleibt halb im verborgenen
Marko Grgic liegt flach. Fieber, Gliederschmerzen, kein Platz im Flieger. Timo Kastening bleibt daheim, „private Gründe“ laut DHB-PM – mehr will niemand sagen. Für Gislason sind das 1,90 m Rechtsaußenpower und 3,5 Tore pro Spiel, die er kurzfristig ersetzen muss. Die Lösung: Ein Mix aus Julian Köster und Lukas Zerbe soll die Lücke füllen, doch beide haben in der Nationalmannschaft noch keine 20 Länderspiele zusammen.
Die Personalie schlägt Wellen. Knorr spricht von „Luxusproblemen“, klingt aber wie ein Mann, der gerade seine Kreditkarte gesperrt bekommen hat. „Mit Ägypten haben wir eine sehr gute Mannschaft – und dann wartet Dänemark. Das ist natürlich gut für uns.“ Der Satz klingt nach Selbstgespräch, denn „gut“ ist relativ, wenn zwei Stammkräfte fehlen und der Gegner Olympiasieger heißt.

Dänemark-doppelpack im mai – vorbote für den winter der wahrheit
Kopenhagen, 15. Mai, Parken Stadium – dann drei Tage später Köln, Lanxess Arena. Zweimal Weltmeister Dänemark, zweimal der Benchmark. Gislason nutzt die Länderspiele als Belastungstest, doch intern geht es um mehr: Um die Frage, ob seine Spielphilosophie bis Januar 2027 Bestand hat. Ingo Meckes, Sportvorstand, sagt: „Es wäre schlimm, wenn wir einen Monat vor der WM keine Klarheit hätten.“ Klingt nach Deadline, ist aber ein Stück weit Schauseite. Denn Meckes will sich „nicht unter Druck setzen lassen“. Was heißt: Die Entscheidung über Gislasons Zukunft fällt, wenn sie fällt – und nicht, wenn Medien und Fans pfeifen.
Die Zahlen sprechen für den Isländer: 28 Siege in 42 Pflichtspielen, EM-Viertelfinale, klare Trendwende nach dem Prokop-Desaster. Aber Zahlen sind keine Garantie, wenn die WM im eigenen Land droht. 20 Jahre nach dem letzten WM-Titel will der Verband nicht noch einmal in die Röhre gucken.

Ägypten ist mehr als ein test – es ist die let’s-dance-show vor der echten prüfung
Die Afrikaner haben sich in den letzten zwölf Monaten verwandelt. Nach dem 38:41 in Berlin trainierten sie eine Woche in Potsdam, studierten deutsche Wurfserien, analysierten Kreisläufer Jannik Kohlbacher Bild für Bild. Trainer Roberto García Parrondo spricht von „Revanche mit Plan“. Dahinter steckt die Erkenntnis: Wer Deutschland schlägt, darf auf WM-Gegnerliste gross buchen.
Für Deutschland geht es um Rhythmus. Das Team will die EM-Euphorie konservieren wie Marmelade im Glas – aber ohne zu kleben. Gislason experimentiert mit Sieben- gegen Sechs-Offensive, mit Andy Wolff als zusätzlichem Rückraumschützen und mit Renārs Uščins, der als Linksaußen plötzlich auch auf Rechtsaußen trainiert. Die Botschaft: Wir sind variabel, wir sind bereit.
ProSieben überträgt, Dyn streamt, 15.30 Uhr ist Kick-off. Wer genau hinsieht, entdeckt Mini-Szenen: Kohlbacher, wie er mit dem Ball wedelt wie ein Dj; Knorr, wie er vor dem Training noch zehn Extra-Freiwürfe nimmt; Torwart Johannes Golla, der lauthals „Katar 2015“ brüllt – Referenz an den letzten Titel.
Die stunde der wahrheit tickt leise
Die WM ist noch 306 Tage entfernt, aber die Uhr im DHB-Büro tickt lauter. Jeder Pass, jede Rotation, jede Verletzung schreibt sich in die Excel-Tabelle der Performance-Analysten. Gislason weiß: Gewinnt seine Mannschaft gegen Ägypten und später gegen Dänemark, ist die Debatte um seine Verlängerung ein Selbstläufer. Verliert sie, wird jeder Pass zur Rückfrage.
Am Sonntagabend wird die Halle in Leipzig leeren, die Statistiken werden archiviert, die Spieler werden duschen. Aber die Kennziffern bleiben: Tore, Gegenstöße, Ballverluste – und die Frage, ob 41:38 nur ein Erfolg war oder doch schon ein Warnschuss. Für Angelika Klein steht fest: Wer jetzt nicht gewinnt, der muss im Winter nicht erst anfangen zu zittern – er zittert schon.
