Abstiegsduell in turin: parma schickt pellegrino gegen d’aversa

Tokio lässt grüßen – nur liegt der Kampf ums Sechzehntel diesmal in Turin. Am Freitag um 20.45 Uhr rückt das Stadio Olimpiano in den Fokus der Serie A, wo der FC Turin gegen Parma Calcio nicht mehr verlieren darf. 90 Minuten, die über die Zukunft zweier Trainer und die nächste Saison entscheiden.

Parma reist mit 34 Punkten an – vier mehr als der Gegner, zehn mehr als Cremonese, das gleichzeitig gegen Florenz spielt. Für Marcello Cuesta ist die Rechnung simpel: Ein Punkt in Turin und seine Elf kann die Handbremse lösen. Die Form spricht für den Trainer des Promovendus: drei Siege, zwei Remis in den jüngsten fünf Partien. Keine Niederlage seit dem 1:3 in Neapel – das gibt Selbstvertrauen.

D’aversa muss liefern, sonst wird es eng

Anders die Lage bei den „Toro“. Roberto D’Aversa, erst seit zehn Tagen verantwortlich, gewann sein Debüt gegen Lazio glatt 2:0, kassierte danach aber die erwartbare Abfuhr beim Meister (0:2). Die Kritik war verhalten, doch die Analyse gnadenlos: Nur 30 Punkte auf dem Konto, Platz 15 – das reicht nur, wenn die Konkurrenz patzt. Gegen Parma droht bei einer Niederlage der Anschluss ans rettende Ufer zu platzen. Die Buchmacher reagieren: Under 2,5 Tore wird mit 1,60 geführt, ein Unentschieden zur Pause mit 2,05 – klare Indizien für ein vorsichtiges Spiel.

Der Blick auf die Personalie ist ebenso spannend wie die Tabelle. Turin setzt weiter auf die Sturm-Doppelspitze Simeone-Zapata, die gegen Lazio die Köpfe höhenließ. Doch Zapata laboriert an einer Oberschenkel-Prellung, seine Einsatzfähigkeit wird erst kurzfristig entschieden. Parma kontert mit Mateo Pellegrino, dem 1,94-m-Hünen, der in den letzten Wochen allein vorne die Bälle festmacht und die Abwehr entlastet. Seine Duelle mit Guillermo Maripán werden zur Zitterpartie für beide Teams.

Die quote lügt nicht – und die uhr tickt

Die quote lügt nicht – und die uhr tickt

Die Statistik ist gnädig mit Parma: Seit 2018 verlor der Klub kein einziges Auswärtsspiel in Turin (ein Sieg, zwei Remis). Doch Statistiken kühlen keine Köpfe, wenn der Druck steigt. D’Aversa warnte seine Spieler: „Wer denkt, dass Parma müde ist, weil sie den Klassenerhalt schon sicher wähnt, wird eines Besseren belehrt.“ Cuesta kontert mit nüchterner Klarheit: „Wir wollen nicht warten, bis andere für uns rechnen.“

Entscheidend wird die erste halbe Stunde. Turin muss vorlegen, um die eigenen Anhänger hinter sich zu bringen. Gleichzeitig darf Parma nicht zu tief stehen, weil Pellegrino sonst isoliert wird. Die Marschroute der Gäste lautet: frühes Pressing, danach kompaktes Mittelfeld, Konter über die Außenbahnen. Die Marschroute der Hausherren: schnelles Umschaltspiel, Standards nutzen, die Räume eng machen. Wer den Plan zuernd durchbricht, bestimmt die Nacht – und vielleicht die Saison.

Am Ende zählt nur der Stand auf der Anzeigetafel. Ein Tor kann reichen, ein Punkt kann helfen, eine Niederlage kann die Abstiegszone wieder öffnen. Für 65 Millionen Euro TV-Gelder, für Prestige, für die eigene Existenz. Freitagabend in Turin – wer zittert, verliert. Und wer verliert, bekommt den ganzen Frust der Curva Maratona zu spüren. Die Uhr tickt. Der Ball rollt. Die Rechnung ist einfach: siegen oder bangen.