Vanoli zwingt fiorentina ins trainingslager: braschis debüt ist nur der anfang

Paolo Vanoli lässt seine Mannschaft nicht duschen, nicht feiern, nicht einmal schlafen. Nach dem 2:1 gegen Rakow Czestochowa sammelt er seine Spieler sofort ein und fährt ins Centro Sportivo. „Wenn wir abends spielen, gibt es kein Nachhausegehen“, sagt er bei Sky Italia. „Wir fahren durch, das ist meine Methode.“

Braschis nacht – und der sturm, der folgt

Der 18-jährige Tommaso Braschi war 67 Sekunden auf dem Feld, bis der Schiedsrichter pfeift. Ein Kurzeinsatz, der trotzdem die Kurve entflammt hat. Vanoli selbst kriegt eine Gänsehaut: „Ich habe mit Jugendlichen gearbeitet, seit ich Trainer bin. Wenn so ein Junge reinkommt und die Männer anfeuert, vergisst man die Tabelle für einen Moment.“ Doch der Coach versetzt sofort den Schuss: „Das Schlimste kommt jetzt. Keiner wird ihn mehr in der Primavera ignorieren. Die Gegner werden ihn zerlegen wollen.“

Vanoli spricht schneller als sonst, fast wie ein Vater, der seinen Sohn zur Bundeswehr bringt. Die Serie A lässt sich nicht ausschalten. Fiorentina liegt nur drei Punkte über dem Strich, hat 13 Gegentore nach individuellen Fehlern kassiert – Liga-Spitzenwert. „Jeder minimale Fehler wird bestraft. Die Jungs wissen das, deshalb sitzen sie jetzt im Bus, nicht in der Disco“, sagt er.

Die champions-league-attacke als brandbeschleuniger

Die champions-league-attacke als brandbeschleuniger

Vanoli zeigte seiner Mannschaft vor dem Rakow-Spiel Szenen aus der Königsklasse. „Wenn Du siehst, wie Arsenal oder Real in der 94. Minute noch sprinten, kannst Du nicht in Minute 80 den Hintern hängen lassen“, erklärt er. Die Antwort seiner Profis: zwei Tore nach Eckbällen, 96 % Laufleistung im Schnitt, kein Rakow-Torschuss nach der 60. Minute. Statistiken, die im Franchi stehen bleiben, aber in Czestochowa neu geschrieben werden müssen.

„Retourspiel offen“, sagt Vanoli mit einem Schulterzucken, das fast schon klingt, als rede er über ein Freundschaftsspiel. Dabei war die Conference League vor Saisonbeginn nur „ein nettes Extra“. Mittlerweile ist sie Rettungsanker und Lebensversicherung zugleich. Gewinnt Fiorentina den Wettbewerb, rückt sogar die Champions-League-Teilnahme näher – ein Szenario, das die Eigentümer noch vor acht Wochen für absurd hielten.

Trainingslager statt transferblues

Kein Neuzugang im Winter, dafür ein 48-Stunden-Programm, das Vanoli selbst zusammenschustert: Doppelpass, Videoanalyse, Schlaf im Sportlerheim. Kein Handy nach 22 Uhr, kein Kaffee nach 15 Uhr. „Wenn wir in Polen gewinnen, haben wir 1,7 Millionen Prämie sicher. Das Geld wäre für neue Spieler da“, verrät ein Vorstandsmitglied. Vanoli will davon nichts wissen: „Erst gewinnen, dann reden.“

Die Spieler nennen das Camp „Vanolis Boot“. Keine Eltern, keine Freundinnen, keine italienische Presse im Nacken. Nur grüne Wiesen, ein leerer Campus und der Geruch von Sieg, der sich durch die Flure zieht. Wenn Braschi heute Nacht einschläft, träumt er nicht vom Debüt – sondern vom Retourspiel. Vanoli hat ihm den Kalender markiert: 19. März, Czestochowa, 18:45 Uhr. „Dann zeigt sich, ob er wirklich bereit ist“, sagt der Coach und klingt dabei schon wie ein Boxpromoter, der den nächsten Knockout ankindigt.