Abodi lässt parson zappeln: „schwache erklärung für russland-comeback“

Andrea Abodi ballert sich frei. Kurz vor Start der Paralympics in Verona verlangt Italiens Sportminister vom IPC-Chef Andrew Parsons Rechenschaft – und liefert dabei einen Satz, der durch die Hallen des Internationalen Paralympischen Komitees hallen wird: „Ich habe vom Präsidenten schwache Erklärungen gehört, um eine so brisante Doppel-Rücknahme nur Stunden nach seiner Wiederwahl zu rechtfertigen.“

Die fahnen, die niemand hisste

Abodi meint die völkerrechtswidrige Kehrtwende, russische und belarussische Symbole doch wieder zuzulassen – während ukrainische Athleten keine Nationalfarben tragen dürfen. „Das ist keine Politik, das ist Identität verweigert“, so der Minister. Der Kontrast zum IOC-Kompromiss – Start unter neutraler Flagge – wirkt wie ein Spiegel, der das IPC kleiner erscheinen lässt. Parsons sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, er habe seine Machtbasis gesichert, bevor er die Sanktionen kippte. Ein Vorwurf, der nicht nur in Rom durch die Glotze knallt.

Doch Abodi schlägt nicht nur auf, er baut auch. Sein Projekt „Backstage Heroes – Die Gesichter der Medaille“ lässt jeden italienischen Medaillengeber vier Menschen ehren, die hinter den Kulissen mitgeschwitzt haben. „Wir verleihen dem Wort ‚Danke‘ eine Gestalt“, sagt er. Die Geste kommt an: In den Athleten-Whatsapp-Gruppen kursieren bereits Listen mit Trainern, Physios, Putzkräften. Kein PR-Gag, sondern Kulturarbeit.

Ein minister, der mitfährt – und mitsingt

Ein minister, der mitfährt – und mitsingt

Verona wird er nicht nur besuchen, er wird durch alle Wettkampfstätten tingeln – „exakt wie bei Olympia“. Dabei hat er bereits seine Geheimtipps parat: „Beobachtet die Teams, nicht nur die Einzelstars.“ Gemeint sind die Rollstuhlbasketballer, die Behindertensportler im Sitzenvolleyball, die Blindsportler im Torball. Teams, in denen kein Mega-Deal überstrahlt, sondern der Sport sich selbst erzählt.

Und dann dieser Nebensatz, der in den Redaktionen sofort aufgeschnappt wird: Die Fußball-Playoffs gegen Nordmazedonien. Abodi fordert trotz der umstrittenen Entscheidung, Gattuso nicht mehr Zeit für die Nationalmannschaft zu geben, einfach nur: „Qualifikation. Punkt.“ Kein „wenn“, kein „aber“. Ein Satz, der in Italien als Motivationsplakat taugt.

Die Bilanz: Parsons steht unter Druck, die Paralympics bekommen eine politische Schärfe, die sie seit London 2012 nicht hatten – und Abodi? Der nutzt die Bühne, um sich als Sportminister zu profilieren, der nicht nur paroli bietet, sondern auch Visionen liefert. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Parsons seine Antwort liefert – oder ob Verona zur Revolte gegen das eigene Komitee wird.