Abdilaahi pulveriza a baumann: 26:56,58 en san juan capistrano
Mohamed Abdilaahi hat genug. Nach 28 Jahren dominiert endlich ein neuer Name die deutsche Langstreckenchronik. Der 27-jährige Kölner lief am Samstagmorgen in San Juan Capistrano 26:56,58 min über 10 000 m – und schickte Dieter Baumanns Mythos in Rente. 24,95 Sekunden schneller als der Olympiasieger von 1992. Das ist kein Rekord, das ist eine Kampfansage an ganz Europa.
Der lauf, der alles verschlüsselt
Die Temperatur: 14 Grad, leichter Dunst. Perfekt. Abdilaahi setzt sich nach 4000 m an die Spitze, lässt den Australier Ky Robinson zwar mitgehen, aber nie die Initiative. Zwischen 6000 und 8000 m drückt er fünf Mal in Folge auf 64-Sekunden-Runden. Die Uhr tickt, das Feld zerfetzt sich. „Ich wollte 27:05 angreifen“, sagt er hinterher, „aber als ich merkte, wie locker das läuft, habe ich vollends aufgerollt.“
Die Zielgerade wird zur Solo-Einlage. Abdilaahi winkt kurz in die Kamera, dann donnert er durch die Lichtschranke. 26:56,58 – die zweitbeste europäische Zeit seit Mo Farah und Platz 14 der Weltbestenliste 2026. Robinson wird 27:01,07, der Niederländer Mike Foppen 27:04,45. Frederik Ruppert aus Tübingen verpasst als Achter mit 27:24,53 trotz 33-Sekunden-PB knapp Baumanns alte Marke. Aaron Bienenfeld (Düsseldorf) folgt als 16. in 28:11,23 – seine Saison beginnt gerade erst.

Ein jahr, zwei denkmäler
Es ist Abdilaahis zweiter Baumann-K.o. innerhalb von elf Monaten. Bereits im Juli 2025 hatte er in Monaco über 5000 m mit 12:53,63 den damaligen Rekord (12:54,70) um eine Sekunde unterboten. Nun folgt die längere Distanz – und wieder trägt er das Erbe des Olympiasiegers wie einen Rucksack weg. „Ich komme langsam in meine Prime“, sagt er mit einem Grinsen, das zwischen Stolz und Ungläubigkeit schwankt. „Mega, dass ich gewinnen konnte.“
Für Cologne Athletics ist der Tag historisch. Noch nie hatte ein deutscher Verein zwei Langstrecken-Rekorde innerhalb eines Jahres gestellt. Der Leistungsdirektor Maximilian Sternal spricht von „einem offenen Schlagloch zur Weltspitze“, das Abdilaahi geschlagen habe. Der 27-Jährige selbst will jetzt Ruhe. „Ich fliege morgen zurück, esse ein ordentliches Schnitzel und schlafe 14 Stunden.“

Frauen-rennen liefert em-ticket
Während die Männer über alte Rekorde philosophieren, sorgt Lisa Merkel für Gegenwart. Die 23-jährige Tübingerin wird in 31:32,25 min Vierte, knackt ihre Bestzeit um 46 Sekunden und erfüllt damit souverän die Norm für die Europameisterschaften in Birmingham (10.–16. August). „Ich wollte 32 Minuten knacken, aber 31:30? Das hatte ich auf dem Schirm, nicht auf dem Zettel“, lacht sie. Ihre Teamkollegin Domenika Mayer bleibt in 32:17,88 min unter 32:30 und sichert sich den zweiten deutschen Startplatz.
Merkels Strategie war simpel: 15:50 zur Halbzeit, dann Gas. Sie lief 15:42 durch die 5000-m-Marke und verteidigte die 73-Sekunden-Runden bis ins Ziel. „Ich habe nur noch an meine Oma gedacht, die immer sagt: Renn, bis dir die Schuhe glühen.“ Die Schuhe glühten, die Uhr stoppte – und Birmingham rückt näher.

Die zahlen, die nachhallen
26:56,58 – das ist schneller als Baumanns alte Marke, schneller als die EM-Bronze 2024, schneller als jeder Deutsche seit der Wiedervereinigung. Es ist die drittbeste Zeit Europas in diesem Jahr und nur 13 Sekunden hinter dem Weltjahresbesten Joshua Cheptegei. Und es ist ein Signal: Wer 2028 in Los Angeles Gold will, muss Abdilaahi im Rückspiegel haben.
Für Deutschland bedeutet das: Nach Jahren des Aufbaus steht ein Läufer bereit, der nicht mehr nur startet, sondern gewinnt. Die Leichtathletik-Verbandschefin Anja Neupert nennt es „eine Initialzündung für eine neue Generation“. Abdilaahi nennt es „erst mal Frühstück“. Danach geht’s nach Iten, 2400 m Höhe, sechs Wochen Basis, dann die Diamond League. Die Uhr läuft – und sie läuft schneller als je zuvor.
