700 Kilometer eishockey-feuer: pelkum liefert playoff-kracher zum anfassen

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Die Scheiben sind noch nicht einmal eisig genug, da knallen schon die ersten Körper. 700 Kilometer trennen die Rivalen, aber keine einzige Meile Ruhe. Wer heute und morgen in Nürnberg und Bremerhaven eintrifft, spürt sofort: Diese Play-off-Quali ist kein übler Auftakt, sondern ein Vollgas-Vorspiel, das sich kein Fan entgehen lassen sollte.

Fischtown gegen ice tigers: verletzungspech trifft auf sabber-offensive

Die Pinguins schwammen bis Weihnachten vorne weg, dann kam der Dämpfer. Platz sieben reicht nicht füs Heimrecht, dafür aber für Kristers Gudlevksis – zweimal „DEL-Torhüter des Jahres“ hintereinander. Der Lette ist kein Mensch, er ist ein Wand. Mit 93,4 % Fangquote frisst er auch heiße Brocken. Das Problem: Bennet Rößmy fällt komplett raus, Jan Urbas lahmt, Nico Krämmer fehlte zuletzt. Trainer Jason Dunham muss improvisieren, was bedeutet: noch mehr Block-Schüsse, noch mehr Kompaktheit.

Nürnberg dagegen flitzt. Brett Murray kehrt zurück, Haiskanen ist wieder einsatzbereit, und die Ice Tigers können erstmals seit Oktober mit vier kompletten Sturmreihen auflaufen. Ihr Plan: Tempo, Tempo, Tempo. Bremerhavens blaue Linie soll knacken wie Cracker. Die Frage: reicht 220 Kilometer Spielgeschwindigkeit gegen 1,90-Meter-Torhüter?

Die Antwort lieferten schon die regulären Spiele: zwei Siege pro Seite, 19 Tore in vier Partien – kein Ergebnis unter drei Gegentreffer. Die letzte Begegnung am 13. März endete 6:4 für Fischtown, nachdem Nürnberg zweimal zurückkam. Wer da noch von „defensiver Stabilität“ spricht, war nicht im Stadion.

Wolfsburg und schwenningen: coach-wechsel als turbo

Wolfsburg und schwenningen: coach-wechsel als turbo

Zwei Stunden nach Anpfiff in Bremerhaven geht’s in der Eis-Arena Wolfsburg weiter – mit einem Trainer, der sich selbst noch vor zwei Jahren die Schulter verrenkt hat. Tyler Haskins, 38, Ex-Spieler, Ex-Kapitän, jetzt Chef. Seine Bilanz nach vier Spielen: drei Siege, eine Niederlage, Platz acht statt neun. Die Botschaft: „Wir wollen nicht nur mitspielen, wir wollen überraschen.“

Schwenningen reist mit Joacim Eriksson, einem Schweden, der in dieser Saison schon 36 Spiele zwischen den Pfosten stand und dabei 92,7 % Fangquote hinlegte. Dazu Tyson Spink, voraussichtlich fit. Die Wild Wings gewannen drei der vier direkten Duelle, das einzige Debakel (1:4) steckt noch in den Knochen. Coach Pete Russell betont: „Playoffs sind ein Neustart, Statistik heißt nichts.“

Die Zahlen aber flüstern was anderes: Schwenningen erzielte in allen drei Siegen mindestens drei Tore, Wolfsburg nur einmal. Die Wild Wings sind schwerer (Durchschnittsgewicht +2,3 kg), die Grizzlys schneller (Bulldogs-Check: 53 % erfolgreiche Zone-Entries). Kleiner Vorteil Schwenningen: Sie haben in der Olympiapause fünf von acht Spielen gewonnen, Wolfsburg nur drei. Das Momentum trägt Schwarz-Rot.

Prognose: kurz, heftig, knapp

Prognose: kurz, heftig, knapp

Beide Serien gehen über maximal drei Spiele. Ich tippe:

Bremerhaven nutzt Heimvorteil und Torhüter-Wand, Nürnberg schnürt zwar satte 70 Schüsge, Gudlevksis kratzt 68 weg – 2:1-Serie für die Pinguins.

Wolfsburg jagt den Punchers-Reflex, doch Schwenningens dritte Reihe trifft dreimal per Nachschuss – 2:1-Serie für die Wild Wings, aber erst nach Overtime im dritten Spiel.

Packen Sie die Wärmflasche ein, gaffen Sie nicht nur aufs Handy. Wer jetzt nicht in die Halle rennt, verpasst die schönste Woche des deutschen Eishockeyjahres. Die Züge rollen, die Scheiben flitzen – und die 700 Kilometer werden zur schnellsten Strecke zwischen Herzinfarkt und Jubeltrauma.