52 Jahre später: kongo tanzt nach drama zurück auf die wm-bühne

101 Minuten lang war es ein Schlagabtausch mit abgewehrten Toren, Pfostenberührungen und einem Schiedsrichterwechsel – dann traf Tuanzebe per Kopf und schrieb Fußballgeschichte. Die Demokratische Republik Kongo kehrt nach 52 Jahren in das WM-Endturnier zurück. Das 1:0 im Play-off-Finale gegen Jamaika reicht, um den Traum von 1974 zu erneuern.

Ein tor, das ein halbes jahrhundert überbrückt

Als Cipenga den Eckball schlug, war die Luft dünn. Die Beine schwer. Die Gedanken schwerer. Doch der eingewechselte Außenverteidiger des FC Cartagena traf die Flanke seines Lebens. Tuanzebe, in der 97. Minute aufs Feld gekommen, stieg am höchsten – und beförderte den Ball zum viel umjubelten 1:0. Die Überprüfung durch den VAR dauerte 120 Sekunden, eine Ewigkeit. Dann pfiff Schiri Tello – bevor er sich selbst verletzte und ausgewechselt wurde. Symbolik pur.

Die Leoparden dominierten weite Strecken, scheiterten aber an Blake oder am Alu. Bakambu sah zwei Treffer wegen Abseits zurück, Elia scheiterte am Pfosten. Jamaikas Reggae Boyz verließen sich auf Konter, doch auch sie fanden ihren Meister in Keeper Lungoyi. Die Partie drohte ins Elfmeterschießen zu gleiten – bis Cipengas Bein und Tuanzebes Stirn alles beendeten.

Von zaire nach katar: die zweite wm-fahrt

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1974 lief das Team noch als Zaire auf, wurde 0:9 gegen Jugoslawien verfolgt, galt als harmloser Außenseiter. Die neue Generation will mehr. Trainer Sébastien Desabre schwor seine Mannschaft auf eine „andere Geschichte“ ein. Mit Bongonda und Kayembe kam frisches Tempo, Mbuku eröffnete die Räume. Die Defensive stand kompakt, das Mittelfeld presste früh. Die Taktik ging auf – auch wenn die Chancenverwertung noch Nachhilfe benötigt.

In Kinshasa feierten Tausende bis in die Morgenstunden. Autos hupten, Läden blieben offen, Präsident Tshisekedi kündigie eine Staatskasse für die Spieler an. Die Qualifikation kommt zur rechten Zeit: das Land wirtschaftet sich aus jahrelangen Konflikten heraus, der Sport wird zum Katalysator der Nationalehre. „Wir haben bewiesen, dass wir mehr sind als ein Schicksal“, sagte Kapitän Masuaku nach Abpfiff. „Wir sind bereit, der Welt zu zeigen, was Kongo kann.“

Die Gruppenauslosung in Doha wird ein Losglück für die Leoparden. Gegner wie Marokko oder Kroatland schrecken nicht mehr. Nach 52 Jahren Warten haben sie gelernt, dass Geschichte keine Rückwärtsbewegung ist – sondern ein Eckball in der 101. Minute.