5.000 Cottbuser mobilisieren zum aufstiegs-endspiel: alle im trikot, alle nach regensburg
450 Kilometer, fünf Stunden Busfahrt, ein einziges Ziel: Aufstieg. Am Samstag um 13.30 Uhr spielt Energie Cottbus in Regensburg um den Sprung in die 2. Bundesliga – und mit ihm rechnet Fanbeauftragter René Stiller mit mehr als 5.000 mitgereisten Fans. „Das Motto lautet: Alle im Trikot“, sagt er. Gemeint ist jedes Jahrzehnt, jede Klamotte, die je das Logo trug.
Choreografie statt partyplan: noch ist der bär nicht erlegt
Stiller versetzt sich lieber in die Organisation statt in Jubelvisionen. 100 Helfer zünden im Gästeblock eine Choreo an, angefangen von riesigen Leinwänden bis zu Pixelshows. „Was unsere Jungs und Mädels da abziehen, ist der reine Wahnsinn“, schwärmt der 47-Jährige, der seit Juli 2025 hauptamtlich für den Klub arbeitet und ehrenamtlich das Vereinsmuseum pflegt. Die Vorbereitung dauert Tage, das Material frisst vierstellige Eurobeträge – Geld, das Fans aus eigenen Taschen zahlen.
Regensburg stellte extra zusätzliche Blöcke frei. Offiziell sind 4.100 Tickets reserviert, doch viele sichern sich Plätze in neutralen Sektoren. „Wer da mit blau-weißem Schal auftaucht, landet schnell auf der Abschussliste der Ordner“, warnt Stiller. Er appelliert an Respekt: „Der Heimbereich bleibt Jahn-Fans vorbehalten – Punkt.“

Die längste reise war nach aachen – am freitagabend
Die Auswärtsbilanz der Saison liest sich wie ein Atlas der Extreme: mehr als 700 Kilometer nach Aachen, genauso weit nach Saarbrücken, Sonntagabendkick in Essen. „Bretter nennen wir die Fahrten“, sagt Stiller. Dennoch füllten die Anhänger jeden Winkel. Stolz zitiert er die Heimserie: Jedes Spiel brachte neue Zuschauerrekorde, junge Gesichter strömen seit dem Regionalliga-Aufstieg ins Stadion. „Der Zug nimmt seit Hertha II im Pokal oben auf – und bremst nicht.“
Die Euphorie speist sich nicht nur aus Toren. „Energie ist das Herzstück dieser Stadt“, erklärt Stiller. „Ein Zweitliga-Platz würde das Herz schneller schlagen lassen.“ Der Klub verbindet Fans aus Brandenburg, Sachsen, Berlin – und mittlerweile sogar aus dem Ruhrpott. „Die Leute spüren, dass der Verein demütig und gut geführt ist.“

Vergleich mit 1997? nur der pokal-final-einzug war größer
Ein möglicher Aufstieg müsste sich an historischen Maßstägen messen. „1997 der erste Sprung in die zweite Liga, 2000 der Bundesliga-Aufstieg mit dem Korso von Berlin aus – das sind die Meilensteine“, zählt Stiller auf. Trotzdem hält er die Fans zurück: „Erst den Bären erlegen, dann das Fell verteilen.“ Sollte am Samstag die Sensation perfekt werden, erwartet er nichts Geringeres als „eine einzige Feiermeile“ in Cottbus. Die Stadtverwaltung hat bereits Sperrungen vorbereitet, Fan-Zonen liegen bereit.
Bis dahin bleibt die Devise simple: Trikot an, Bus besteigen, 90 Minuten schreien. Für René Stiller ist klar: „Wenn wir gewinnen, steht danach nicht nur das Jahnstadion, sondern ganz Cottbus still – vor lauter Glück.“
