4:3 Gegen deutschland lässt die nati trotzen – und die fans jubeln bis ins hotel

Basel schwappt noch immer. 4:3 stand es für Deutschland, doch im St. Jakob-Park fühlte sich niemand wie Verlierer. Die Schweizer Nati lieferte sich mit dem WM-Gastgeber 2026 ein Schützenfest, das selbst die Niederlage wie einen Sieg aussehen lässt. Knallbunte Choreos, drei Comebacks, ein Embolo, der zum 2:1 die Mitte zerlegte – und danach eine Fan-Szene, die sich bis Samstag vor dem Mövenpick zog.

Der tag danach: autogramme statt kater

Statt sich in der Kabine zu verkriechen, stellte sich Murat Yakin’s Truppe dem Volk. Um 10:43 UR tauchte Silvan Widmer mit Kappe rückwärts vor dem Hotel auf, Granit Xhaka reichte Marker-Stifte weiter, als wären es Schweizer Uhren. Die Warteschlange reiste sich zweimal um den Block – ein Bild, das die Nati sofort auf Instagram schob. „Merci für den Rückenwind“ stand unter dem Post, der in einer Stunde 120 000 Likes sammelte. Die Botschaft: Wir haben zwar verloren, aber die Herzen gehören uns.

Die Zahlen sprechen für sich: 36 000 Zuschauer im Stadion, 5 000 vor dem Hotel, 1,8 Millionen TV-Quote – höchster Wert seit dem EM-Viertelfinale 2021. Und das für ein Testspiel. SRF strahlte die letzten zehn Minuten sogar auf dem Hauptprogramm aus, weil das Rugby-Spiel vorzeitig abbrach. Zufall? Kaum. Der Sender witterte ein Event und kassierte zusätzliche 400 000 Live-User auf SRF Play.

Norwegen als nächster prüfstein – und die wm-uhr tickt

Norwegen als nächster prüfstein – und die wm-uhr tickt

Am Montag fliegt die Delegation nach Oslo. Dort wartet am Dienstagabend ein weiterer Gegner, der sich in der FIFA-Weltrangliste nur drei Plätze hinter der Schweiz tummelt. Für Yakin geht es nicht nur um Prestige, sondern um Antworten auf drei Fragezeichen: Wer rückt neben Manuel Akanji in die Innenverteidigung? Kann Renato Steffen seine Flügel-Form bestätigen? Und vor allem: Wie weit ist Yann Sommer nach seiner Schulter-OP?

Die Nati muss ohnehin umdenken. Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird mit 48 Teams ausgetragen – das eröffnet Chancen, aber auch Fallstricke. Die UEFA-Quali beginnt im März 2025, und die Schweiz landete in Pot 2. Ein Sieg gegen Norwegen würde die Koordinaten nach oben schieben und das Selbstvertrauen konservieren, das der Freitag-Abend trotz Niederlage erzeugt hat.

Die Fans jedenfalls sind bereit. Vor dem Hotel kursierte ein Spruchband: „4:3 – wir zählen nur die Tore der Nati.“ Ein kleiner Junge streckte Widmer ein altes Panini-Album entgegen. Der Mainzer unterschrieb, lachte, verschwand im Bus. Die Szene dauerte zehn Sekunden, reicht aber, um Basel weiterzuschwingen. Die Nati fliegt nach Norwegen – und das Land bleibt im Fußballrausch.