3:3 Im 100. rheinderby: köln verspielt sieg und vielleicht auch den trainer
Das 100. Rheinderby war 90 Minuten lang ein offener Schlagabtausch – und am Ende steht für den 1. FC Köln nur ein Punkt, der wie eine Niederlage schmerzt. Die 3:3-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach war ein Wechselbad der Gefühle, aber vor allem ein Spiegelbild der Saison: viel Leidenschaft, wenig Konstanz.
Kessler liefert kwasniok keine jobgarantie ab
„Wir machen uns unsere Gedanken“, sagte Geschäftsführer Sport Thomas Kessler nach dem Schlusspfiff bei Sky. Kein Schulterschluss für Lukas Kwasniok, kein „Er bleibt auf jeden Fall.“ Stattdessen: ein Seitenhieb. „Wir müssen mal wieder einen Dreier holen.“ Die Wortwahl klang wie ein Ultimatum. Seit sieben Pflichtspielen wartet Köln auf einen Sieg – Platz 15, nur zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Die Tabelle lügt nicht, und Kessler weiß: Wer so lange warten lässt, bekommt irgendwann kalte Füße.
Die Zahlen sind gnadenlos: vier Niederlagen, drei Remis in Serie, 17 Gegentore in den letzten sieben Spielen. Selbst das 2:0-Führungstor durch Florian Kainz nach 134 Sekunden war nur ein Strohfeuer. Gladbach antwortete mit dem Anschlusstreffen, noch eigentlich die erste Unachtsamkeit. Dann das 2:1, doch vor der Pause kassierte Köln erneut. „Wenn du in so ein wichtiges Spiel so schlecht reinkommst …“, ließ Kessler offen, wem er die Schuld gab. Der Satz blieb unvollendet, das Urteil implizit.

Jungspund neumann rutscht in die schusslinie
Der 19-jährige Cenny Neumann bekam sein Startelfdebüt, weil Tom Krauß sich im Warm-up verletzte. Drei Gegentore, an allen beteiligt – das Timing war grausam. Kwasniok schob ihn dennoch schützend vor: „Wir haben einen 19-Jährigen reingeworfen.“ Eine Verteidigung, die wie ein SOS-Funksignal wirkt. Der Coach spricht von „Hingabe und Liebe“, doch Liebe allein rettet keinen Klub vor dem Abstieg. Die Frage ist nicht, ob die Mannschaft will, sondern ob sie kann.
Kwasniok selbst wirkt wie ein Mann, der weiß, dass die Uhr tickt. „Ich werde um diesen Job kämpfen“, beteuerte er. Es klang nach einem letzten Aufgebot. Die Fans skandierten nach dem 3:3 durch Eric Martel zwar „Pfiff“ statt „Raus“, doch der Applaus war halbherzig. Die Köln-Ultras wollen Ergebnisse, keine Emotionsreden.
Der nächste Gegner: Mainz 05, direkter Konkurrent im Keller. Kein Spiel, sondern eine Endscheidung. Verliert Köln, könnte der Vorstand die Reißleine ziehen. Kessler betonte, man wolle „sachlich und rational“ analysieren. In der Bundesliga ist das Codewort für: Wir schauen, was am Montag zu tun ist. Der Punkt im Derby war zu wenig – und womöglich der letzte für Kwasniok.