Saisonfinale mit paukenschlag: zogg verpasst podest, drei karrieren enden

Die letzte Pforte des Parallel-Weltcups schlägt zu – und räumt mit vier Hundertstel gnadenlos eine ganze Generation weg. Julie Zogg büßt im Small-Final gegen Yoshie Aizawa 0,04 Sekunden ein, bleibt auf Rang vier und verpasst damit nicht nur das 44. Podest, sondern auch den letzten dramatischen Beweis, dass das alpin Snowboarden in der Schweiz gerade seinen kompletten Frauen-Angriff verliert.

Dahinter kollabierte die Qualifikation wie ein Kartenhaus: Jessica Keiser (31.), Ladina Caviezel (23.), Ricarda Hauser (22.) und Xenia von Siebenthal (19.) schieden schon vor dem ersten richtigen Heat aus. Keine Finalbeteiligung, keine Punkte, keine Zukunft – das Quartett versiegt mit einem Mal. Dabei wollte Caviezel ursprünglich weitermachen, doch nach dem verkorksten Abschied dürfte sich ihre Entscheidung endgültig zugunsten eines Rücktritts drehen.

Die männer längst abgestellt

Während die Frauen gerade erst die Lücke spüren, klafft sie bei den Schweizer Männern schon seit Jahren. Gian Casanova verpatzte schon die Qualifikation, Dario Caviezel schaffte zwar den Sprung ins Achtelfinale, blieb dort aber hängen. Kein einziger Schweizer Mann im Viertel- oder Halbfinale – ein Déjà-vu, das sich seit der Saison 2019/20 jedes Mal wiederholt. Die Konkurrenz aus Österreich, Italien und Deutschland hat die Latte inzwischen so hoch gelegt, dass selbst ein perfekter Tag kaum mehr für den Sprung in die Top-8 reicht.

Die Diskussion wird lauter: Braucht der Schweizer Verband ein neues Förderkonzept oder reicht es, auf das nächste Talent zu warten? Die Zahlen sind eindeutig: seit fünf Jahren kein Podestplatz bei Männern, bei den Frauen droht mit dem Abgang von Zogg, Keiser und Caviezel eine Erfahrungslücke, die sich nicht einfach durch Nachwuchsarbeit in zwei Saisons schließen lässt.

Italienische dominanz setzt sich fort

Italienische dominanz setzt sich fort

Lucia Dalmasso krönte sich in Berchtesgaden zur Siegerin und unterstrich die italienische Vorherrschaft. Drei Italienerinnen im Viertelfinale, zwei im Halbfinale – das ist keine Momentaufnahme, sondern Resultat eines Systems, das auf Leistungszentren und frühe Spezialisierung setzt. Die Schweiz dagegen vertraut weiter auf vereinzelte Camps und individuelle Patenschaften. Am Ende fehlten eben jene vier Hundertstel, die über Sieg und Niederlage, über Podest und Abstieg, über Fortsetzung und Karriereende entscheiden.

Mit dem letzten Riesentor-Slalom der Saison schließt sich also nicht nur ein Kapitel, sondern ein ganzes Buch. Die Frage ist nicht mehr, ob neue Namen folgen, sondern wie lange es dauert, bis sie überhaupt eine Chance haben, die entstandene Leere zu füllen.