32 Jahre wm-flut: italiens basketball-damen starten die mission portorico
Dreieinhalb Jahrzehnte. So lange wartet Italien auf einen Platz bei einer Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen. Morgen früh fliegt die Squadra Azzurra nach San Juan – und könnte in nur sieben Tagen den langen Albtraum beenden.
Die Zahlen sind hart: seit 1994 blieb jedes Ticket verwehrt, fünf Qualifikationsversuche platzten, selbst als Europameister 2007 reichte es nicht. Nun folgt in Puerto Rico ein Turnier, das sich wie ein Sprint anfühlt: fünf Spiele in fünf Tagen, drei Plätze sind frei, der Gegnerpool liest sich wie eine kleine Hall-of-Fame.
Der plan: früh landen, schnell zusammenwachsen
Abflug um 06:30 Uhr von Rom-Fiumicino. Der Verband buchte einen Tag extra, damit die Fünf-Stunden-Differenz nicht in den Beinen, sondern im Training bleibt. Coach Andrea Capobianco hatte nur fünf Gemeinschaftseinheiten seit der EM-Bronze – seine Spielerinnen kommen frisch aus Play-off-Halbfinalserien, einige direkt aus dem Flieger in den Bus. „Wir müssen uns auf dem Parkett finden, nicht im Hotel“, sagt er knapp.
Gruppe B verspricht kein Sonntagsspaziergang. Gastgeber Puerto Rico erwartet 8.000 Fans in einem Saal, der bei 30 °C Außentemperatur kaum klimatisiert ist. Die USA sind ohnehin qualifiziert, aber sie spielen trotzdem – aus Prinzip. Spanien wirft mit Alba Torrens und Astou Ndour, Neuseeland mischt mit der australischen Legion. Nur Senegal gilt als erreichbar, doch wer dort punktet, muss zuvor mindestens zweimal die Schockstarre überwinden.

Zandalasini: „bronze war nur der anfang“
Cecilia Zandalasini trägt die Last der Erfahrung – mit 29 Jahren. Ihre Message vor der Reise: „Wir wissen, dass wir außerhalb Europas selten spielen. Das macht uns hungriger, nicht ängstlicher.“ Die Forward von Schio schiebt 17 Punkte und 6 Rebounds im Schnitt, doch ihre wahre Aufgabe beginnt neben dem Feld: jede Neueinsteigerin soll verstehen, dass dieses Turnier kein Test ist, sondern die einzige echte Chance auf Berlin.
Die Fakten sind gnadenlos: Italien traf in 16 Vergleichen mit den USA nur zweimal die 60-Punkte-Marke, gegen Spanien wartet seit 2013 ein Sieg. Doch die EM-Bronze brachte Selbstvertrauen, nicht Selbstzufriedenkeit. Präsident Gianni Petrucci ließ drei Millionen Euro in Nachwuchs und Analytics fließen, Data-Teams filtern jede Rotation, jeden Pick-and-Roll der Gegner. „Wir haben keine Zeit für Romantik“, sagt Capobianco.

Die hitzkarte: fünf spiele, fünf tage, ein ticket
Der Spielplan liest sich wie ein Programm für Insomnie: 11. März 20:00 Uhr Ortszeit gegen Puerto Rico, 24 Stunden später Neuseeland, dann USA, Spanien, Senegal. Die Belastung ist olympisch, das Klima karibisch. Physiotherapeuten haben Eisfußbäder und Kompressionsboots im Gepäck, Ernährungsberater planen kokosbasierte Elektrolyt-Cocktails. Wer hier punktet, fliegt im September nach Berlin – wer nicht, landet in der Bedeutungslosigkeit.
Die letzte WM-Teilnahme lag in einer Zeit, als die meisten Spielerinnen noch nicht geboren waren. Nun steht eine Generation vor der Tür, die nicht mehr nur hofft, sondern rechnet. 32 Jahre sind genug. In San Juan zählt nicht die Vergangenheit, sondern die nächste Viertelstunde. Und die beginnt morgen um 06:30 Uhr auf dem Rollfeld.
