18-Jähriger reggiani schreibt dortmund-geschichte – italiens jüngster bundesliga-torschütze
Luca Reggiani hat in 64 Tagen mehr erreicht als mancher Profi in Jahren. Mit 18 Jahren, 64 Tagen und einem Kopfball aus dem Drehsprung schoss sich der Abwehrspieler beim 2:0 gegen Augsburg in die Bundesliga-Annalen – und direkt ins Herz der Dortmunder.

Vom castelvetro-klub zur schwarz-gelben legende
Die Zahl ist klein, der Effekt riesig: 18 Jahre, 64 Tage. Genau so alt war Reggiani, als er am Samstag seinen ersten Treffer markierte. Kein Italiener war jemals jünger in Deutschlands oberster Spielklasse. Die Aktion war simpel, aber kühn: Ecke von links, er spurtet an den Fünfer, dreht sich in die Luft, platziert die Kugel unten links. Torhüger Labrović ist machtlos, der Signal-Iduna-Park explodiert. Drei Monate nach seinem Wechsel vom FC Sassuolo ist Reggiani plötzlich der Held einer ganzen Fußballregion.
Im Mixed-Zone-Gewimmel wirkt der Teenager fast ein bisschen verloren. „Ich schreibe jeden Tag mit meinen Eltern, wir videotelefonieren ständig“, sagt er leise, „aber das ist nicht dasselbe wie Live.“ Besonders seinem Vater fällt die Distanz schwer. „In Italien war er bei jedem Spiel dabei, hier kann er nur gucken.“ Die Geschichte klingt wie ein Klischee, ist aber authentisch: Papa Reggiani fuhr quer durch den Stiefel, um Sohnes Auftritte zu verfolgen. Seit Januar sitzt er vor dem Fernseher.
Dortmunds Trainer Niko Kovac schwärmt bereits: „Luca trainiert mit einer Ruhe, die ich selten bei Spielern seines Alters erlebe.“ Der Coach packt die Zahlen aus: vier Pflichtspiele, ein Treffer, 87 % Passquote. Und das, obwohl Reggiani ursprünglich nur wegen der Verletzungsmisere um Schlotterbeck, Süle und Mané zum Zug kam. Die Not wurde zur Chance.
Im Internat teilt er sich Zimmer mit Samuele Inacio, ebenfalls 18, ebenfalls Italiener, ebenfalls aus dem Nachwuchs von Atalanta gewechselt. Abends schauen sie Serien, spielen FIFA, reden über Hausaufgaben und Abwehrketten. „Wir sind keine Stars, wir sind Schüler“, sagt Reggiani und lacht verschmitzt. Die Dortmunder Scout-Crew nennt das Duo scherzhaft „La Difesa Italiana“.
Sein Vorbild wechselt mit jedem Interview. Früher war es Bonucci, wegen der Ballsi-cherheit. Heute schwärmt er für Alessandro Bastoni: „Der liest das Spiel wie ein Sachbuch.“ Die eigenen Statistiken lesen sich ebenfalls gut: zwölf U17-Einsätze, sofort Beförderung zur U19, dann Sprung in die Bundesliga. Keine Zwischenstufe wurde übersprungen, jede wurde versenkt.
Die Fans träumen schon. In Foren wird Reggiani mit Mats Hummels verglichen – wegen der Größe, der Übersicht, der Gefahr nach vorne. Ein alter Hummels-Tor-Kompilation folgt ein neues Reggiani-Highlight. Die Parallele ist hoch gegriffen, aber nicht abwegig. Beide starten im Strafraum, beide treffen per Kopf, beide lenken das Spiel mit einem einzigen Diagonalpass.
Kovac versucht, die Euphorie zu dämpfen, kriegt selbst aber nicht mehr viel mit: „Ich sagte ihm: Genieß den Moment, so etwas kommt nicht alle Tage zurück.“ Die Botschaft ist klar – weitermachen, sich nicht verbiegen lassen. Der Klub reicht ihm einen neuen Vertrag bis 2028, mit Option auf weitere zwei Jahre. Die Zahlen bleiben geheim, aber wer in Dortmund so früh trifft, dem wird die Zukunft gepflastert.
Und die Nationalmannschaft? Lucagnolo, wie Freunde ihn nennen, war Kapitän der U17 bei der WM in Indonesien, brachte Italien auf Rang drei und wurde dreimal zum besten Spieler gewählt. Sein Telefon klingelt seit dem Augsburg-Spiel öfter. Mancini? Noch nicht. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Erstmal steht Mainz an, dann Bochum. Und irgendwann vielleicht der Weg zurück – nicht nach Sassuolo, sondern ins Stadion von Rom oder Mailand. In schwarz-gelben Farben.
