100 Jahre bongio: italiens basketball-patriarch feiert jahrhundert
Heute wird in Mailand getrunken – und in Turin, Bologna und Campobasso. Giorgio „Bongio“ Bongiovanni, der Mann, der italienischen Basketball erfand, wird 100. 50 Länderspiele, 223 Punkte, eine Medaille, eine große Liebe und ein Nachwuchs-Enkelin, die den Kreis schließt.
Der tag, an dem bologna stillstand
4. März 1926, kurz nach Lucio Dalla geboren, nur eben 17 Jahre früher. Bongio wollte Fußballer werden, doch die Hallen der Stadt führten ihn zu Orange und Korb. Er blieb – ein halbes Jahrhundert. „Der Ball war rund, aber mein Leben wurde eckig“, sagt er heute mit trockener Stimme am Telefon. Das war’s dann auch schon wieder mit Sentimentalität.
1945 gründeten Radfahrer den Gira Bologna, benannt nach dem Radsport-Idol Costante Girardengo. Bongio wurde Kapitän, Spieler, Coach. Derby-Siege gegen Virtus in der Sala Borsa? Pflichtprogramm. Doch dann kam sie: Franca Ronchetti, 29 Mal in der Nazionale, sieben Scudetti, Schwester der legendären Liliana, nach der die FIBA einen Pokal taufte. „Wir trafen uns in Roseto degli Abruzzi, beide im Nationalteam-Camp“, erzählt Bongio. „Danach haben wir nur noch zusammen geworfen.“

Turin wurde ihre neue heimat
RIV Turin, Wirtschaftswunder, dann Pleite 1966 – die Klub-Geschichte schmiss den Ball hin, Bongio fing ihn auf. Cus Turin, Doppelrolle, danach Assistent bei Gamba und Guerrieri an der Auxilium. Seine Aufgabe: Jungs machen, Männer formen, Champions erziehen. „Training war nie Arbeit. Es war Familie mit Schweiß“, sagt er.
Die Familie wuchs. Tochter, Enkel, und jetzt Giorgia, 2-mal Jugend-Scudetto in Campobasso. Die 18-Jährige liest die gleichen Spielzüge wie Opa, trägt die gleiche Nummer 10. „Ich will sie in Azzurro sehen. Dann ist der Kreis zu“, sagt Bongio. Die Basketball-Familie schickt Videobotschaften: Gamba, Canna, Peterson, Meneghin, Sacchetti, Vecchiato, Abbio, Morandotti – ein Who-is-Who des italienischen Sports. Jeder einzelne nennt ihn „Maestro“.

Die zahl, die alles sagt
100 Jahre, 50 Länderspiele, 223 Punkte, eine Bronze-Medaille, ein fünfter Platz bei der EM 1951, eine Ehe über sechs Jahrzehnte, drei Generationen auf dem Parkett. Der Countdown läuft nicht ab, er beginnt neu. Die Tafeln, Trikots und Fahnen sind schon bereit, das Fest startet um 13 Uhr in Bologna. Danach? „Weiterspielen“, sagt Bongio und lacht zum ersten Mal so laut, dass das Telefon knackt. Der Ton klingt wie ein Buzzer – nur eben ohne Abpfiff.
