0:3 Nach 117 sekunden: eisbären vergraben sich im play-off-grab

Die Berliner Eisbären sind mit dem Gesicht voran in die Viertelfinal-Serie gestolpert. Nach 117 Sekunden lagen sie in Straubing 0:3 zurück, am Ende sprang nur das 1:5 heraus – und die Erkenntnis, dass Titelverteidiger allein keine Tore schießen.

Der albtraum beginnt mit dem ersten bully

Was für ein Start. Noch hatten die Zuschauer in der Eiswelle nicht einmal Platz genommen, da klingelte es bereits zum dritten Mal im Kasten von Berlin-Keeper Jonas Stange. Jean-Sebastian Dea stand nach 1:57 Minute mit hängenden Schultern am Bully-Kreis – das Gesicht des Teams. „Wir haben uns selbst ein Loch gegraben“, sagte Ty Ronning später, als hätte jemand Dynamit unter der Bank gezündet und vergessen, die Berliner rechtzeitig rauszuzerren.

Serge Aubin schüttelte nur den Kopf. Der Trainer suchte nach Worten, fand sie aber nicht vor der Kamera. „Es ist schwer, sich davon zu erholen“, brummte er. Und genau das war das Problem: Berlin lief 58 Minuten hinterher, ohne je wirklich anzuklopfen. Straubing spielte, als gäbe es kein Morgen – schnell, direkt, konsequent. Die Eisbären wirkten wie ein Koloss auf Schlittschuhen, der vergessen hatte, wie man sich bewegt.

Die zahlen lügen nicht: sieben schüsse, kein treffer im powerplay

Die zahlen lügen nicht: sieben schüsse, kein treffer im powerplay

Berlin hatte in der ersten Reihe mit Marcel Noebels und Lean Bergmann die Topskorer der Liga, doch gegen Straubing trafen sie nicht einmal das Tor von Mathias Niederberger – geschweige denn den Netzkasperl. Das Powerplay blieb ohne Ertrag, die Defensive wirkte wie ein Sieb. Die Statistik zeigt: Wer in einem Play-off-Auswärtsspiel drei Gegentore in den ersten zwei Minuten kassiert, verliert in 87 % der Fälle. Die Eisbären bestätigen die Regel.

Doch Vergangenheit gibt ihnen Rückenwind. Vor zwei Jahren verloren sie das erste Viertelfinale gegen Mannheim 1:7 – und holten am Ende den Titel. „Es ist das Gute, dass es eine Best-of-7-Serie ist“, sagte Eric Mik. Die Botschaft: Eine Niederlage ist kein Tod, nur ein Kratzer. Aber der Kratzer blutet.

Am freitag muss die arena brennen

Am freitag muss die arena brennen

Die Wellenbad-Tickets sind restlos ausverkauft, die Anspannung steigt. Die Eisbären haben 48 Stunden, um die Löcher zu kitten. Aubin wird die Startformation umstellen, vermutlich wird Stange im Kasten bleiben – wer sonst? Und die Sturmreihen müssen endlich Tore erzielen, sonst wird die Serie schneller vorbei sein als ein Berliner Sommer.

Die Straubing Tigers reisen mit breiter Brust an, doch sie wissen: Berlin kann explodieren. Die Hauptstädter haben nichts mehr zu verlieren – und das macht sie gefährlich. Wenn sie früh drücken, wenn die Crowd sie trägt, wenn endlich der erste Puck klingelt, könnte sich das Momentum drehen wie ein U-Bahn-Waggon in der Kurve.

Fakt ist: Ohne Sieg am Freitag ist die Serie so gut wie gelaufen. Die Eisbären müssen liefern, sonst heißt es im Mai nur noch: Titelverteidigung vertagt. Und das wäre nicht nur ein Kratzer – das wäre eine Delle im Selbstbewusstsein der ganzen Stadt.