0:13-Sensation: deutschland verliert sich selbst bei den paralympics
Mailand – Das deutsche Sledge-Hockey-Team hat sich selbst abgeschossen. Nach dem 0:12 gegen China folgt gegen Olympia-Macht USA eine 0:13-Klatsche, die nicht nur wehtut, sondern die Leuchtreklame „Neuanfang“ in Frage stellt.

Ein schuss, 13 gegentore – die statistik lügt nicht
1284 Zuschauer in der Mailänder Arena Santagiulia sahen, wie Fahnenträger Jörg Wedde und seine Mannschaft nach 45 Minuten mit einem einzigen Torschuss auf der Habenseite standen. Die US-Boys ließen den Puck wie auf Schienen laufen, verwandeln jeden deutschen Aufbaupass in einen Konter und machten aus einem Gruppenspiel eine Eislauf-Show.
Die Amerikaner holten sich seit Vancouver 2010 jede Goldmedaille, haben das Spiel verändert – Deutschland hängt in der Bewegungslehre hinterher. Bundestrainer Christian Lautenschlager wollte nach dem Schlusspfiff keine „Einzelkritik“, doch die Tabelle spricht eine klare Sprache: zehn Gegentore Durchschnitt pro Partie, kein eigenes nach 120 Spielminuten.
Bereits um 10:05 Uhr Ortszeit steht das Finale gegen Italien an – ein Spiel um Rang drei in Gruppe A und damit um die letzte Chance, das Halbfinale zu verpassen und stattdessen um Platz fünf bis acht zu kämpfen. Das klingt nach Trost, ist aber harte Realität für eine Mannschaft, die 2006 in Turin noch Vierter wurde und nun vor allem mit sich hadert.
Die Pleitenserie wirft Fragen auf: Fehlt es an Trainingszeit, an internationalen Turnieren oder schlicht an Torgefahr? Die Antwort liefert schon der Blick auf die Gegner: China und USA absolvieren jährlich mehr als 150 Länderspiele, Deutschland schafft kaum 30. Die Geschwindigkeit, mit der die Gegner den Sledge drehen, ist eine andere Liga.
Die italienische Arena wird am frühen Morgen wieder doppelt so laut werden wie in der Nacht zuvor – denn dann steht für das Team um Wedde nicht mehr die Gold-Frage, sondern die Frage nach der Würde im Spiel um Platz fünf. Die Antwort darauf entscheidet, ob die Rückkehr nach 20 Jahren Paralympics-Ausflug als Lehrstunde oder als Desaster in die Geschichte eingeht.
