Zweite liga schreibt fußballgeschichte um: tore statt defensive!

Die Zeiten, in denen eine wasserdichte Abwehr den Aufstieg in die Bundesliga garantierte, scheinen vorbei. Die aktuelle Saison der Zweiten Liga präsentiert ein überraschendes Bild: Offensiver Fußball und eine Torflut dominieren, während die Defensivreihen reihenweise einlitten.

Der neue aufstiegs-code: angriff ist die beste verteidigung

Der neue aufstiegs-code: angriff ist die beste verteidigung

Lange Jahre galt in der Zweiten Liga eine einfache Formel: Wenig Gegentore zulassen und jeden Treffer, der ins eigene Netz fiel, als Ausnahme verbuchen. Eine solide Defensive war traditionell der Schlüssel zum Erfolg. Doch die aktuelle Spielzeit präsentiert ein völlig anderes Bild. Um in der Spitzengruppe zu überleben, scheint es nun unabdingbar, Tore zu schießen – viele Tore. Racing Santander und Almería sind die besten Beispiele für diese Entwicklung.

Beide Teams besetzen derzeit die vorderen Plätze, weisen aber defensive Statistiken auf, die in der Vergangenheit kaum vorstellbar gewesen wären. Santander kassierte in 38 Spielen 57 Gegentreffer, Almería sogar 58. Das katapultiert sie auf die Ränge fünf und sechs der Gegentorwertung – Werte, die früher kaum mit dem Anpeilen des direkten Aufstiegs vereinbar gewesen wären. Ihre Schwächen in der Defensive gleichen sie jedoch durch eine schier unglaubliche Offensivpower aus – eine Klasse für sich.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Vergleich zu den Aufsteigern der letzten zehn Saisons haben Racing und Almería eine deutlich höhere Anzahl an Gegentoren. Der Rayo Vallecano, der in der Saison 2017/18 als Meister aufstieg, musste beispielsweise „nur“ 48 Gegentreffer hinnehmen. Modelle wie Leganés (2017/18 mit 27 Gegentoren) oder Espanyol und Mallorca (2020/21 mit jeweils 28 Gegentoren) demonstrierten, dass auch eine blitzeblanke Defensive den Weg nach oben ebnen kann.

Auf der anderen Seite des Platzes entfaltet sich jedoch die wahre Stärke von Racing und Almería. Mit 79 bzw. 78 Toren liegen sie sogar nahe am historischen Torrekord der Zweiten Liga im 21. Jahrhundert – gehalten von Betis und Barça B in der Saison 2010/11 mit 85 Treffern. Zwar werden sie von den 71 Toren des Espanyol und des VfL Valladolid in der letzten Dekade übertroffen, doch bei vier ausstehenden Spielen haben die Kantabrer nur noch sieben Tore nötig, um diesen Wert zu übertreffen, während die Almerienses acht benötigen. Sergio Arribas und Andrés Martín sind dabei die treibenden Kräfte mit 24 bzw. 21 Toren.

Die aktuelle Zweite Liga präsentiert sich offener, vertikaler und weniger verschlossen. Racing und Almería haben das bewährte Skript umgeschrieben: Sie lassen mehr Gegentore zu als historisch gefordert, dafür treffen sie aber umso mehr. Das ist die neue Gleichung – mehr Gegentore, mehr Tore erzielen.