Zverev zittert sich in tiebreaks nach vorn – cerúndolo wartet

1:45 Stunden lang klebte Quentin Halys wie ein Kletten an Alexander Zverev, und trotzdem steht der Hamburger im Viertelfinale von Miami. Zwei Mal musste er sich im Tiebreak beweisen – zwei Mal behielt er die Nerven: 7:6 (7:4), 7:6 (7:1).

Der Franzose, nur auf Platz 111 der Welt, nahm dem an Position drei gesetzten Olympiasieger die Zeit zum Atmen. Kein Break gelang Zverev im ganzen Match; stattdessen wuchtete er sich mit Aufschlag plus Willenskraft durch die Nacht. Kurz vor Mitternacht verwandelte er seinen dritten Matchball – und prompt verstummte selbst die laute Miami-Crowd.

Halys verweigert die lektüre des favoriten

Was selten jemand notiert: Halys schlug 19 Asse, gewann 83 Prozent der Punkte nach dem ersten Aufschlag und schenkte im gesamten zweiten Satz nur drei Returnpunkte her. Dennoch – im entscheidenden Moment schlug sein Doppelfehler ein. Mini-Break. 3:0 im zweiten Tiebreak. Sauseschritt Zverev.

Der Deutsche selbst redet das Match klein: „Ich habe nur meine Aufschlagspiele durchgebracht, mehr nicht.“ Klingt bescheiden, ist aber die Wahrheit. Ohne Breakchancen, aber mit 12 eigenen Ases und einer Returnquote von mageren 26 Prozent schlich er sich ins Viertelfinale – eine Statistik, die ihn selbst schmunzeln lässt.

Nächster gegner cerúndolo – und ein mögliches sinner-duell

Nächster gegner cerúndolo – und ein mögliches sinner-duell

Jetzt wartet Francisco Cerúndolo, der Argentinier mit dem heimischen Publikum im Rücken. Der wiederum träumt von seinem ersten Masters-Halbfinal. Für Zverev winkt bei einem Sieg womöglich ein Rematch gegen Jannik Sinner, der in Indian Wells erst kürzlich die Oberhand behielt. Dort ging’s ums Finale, hier könnte es ums Turnierleben gehen.

Die Kasse des Turniers füllt sich indessen unabhängig von Nationalitäten: 9,4 Millionen Dollar Preisgeld stehen auf dem Spiel. Zverev hat bisher 165.000 Dollar sicher – und jedes weitere Match verdoppelt fast die Summe. Die Zahlen motivieren, doch der Druck bleibt.

Der nächste Tiebreak? Wahrscheinlich. Die nächste Zitterpartie? Gewiss. Aber genau diese Nachtschichten schmieden Sieger. Wer in Miami durchatmen will, muss zuvor erst einmal den Atem anhalten – und Zverev beherrscht diese Kunst zur Perfektion.