Zverev schiebt djokovic beiseite – sinner jagt alcaraz mit dem doppelten sonnenschein
Miami (USA) – Alexander Zverev hat die ATP-Weltrangliste wieder umgekrempelt. Mit 300 neuen Punkten im Gepäck – und weil Novak Djokovic in Florida pausierte – schlüpft der 28-jährige Hamburger auf Platz drei, Djokovic rutscht auf vier. Die Zahl, die zählt: 1190. So viel Punkte fehlen Jannik Sinner noch auf Spitzenreiter Carlos Alcaraz, nachdem der Italiener in Miami das Sunshine-Double perfekt machte und damit seine Siegesguthaben auf 12.400 Zähler aufbesserte.
Die Rechnung ist simpel: Sinner holt in Indian Wells und Miami, was Djokovic 2025 noch zu verteidigen hatte. Der Serbe war vor zwölf Monaten im Finale von Miami gestanden, verlor dort gegen Jakub Mensik, kassierte aber 1000 Punkte. Diesmal null. Zverev dagegen steigerte sich von Achtelfinal-Aus 2025 auf Halbfinale 2026, verlor dort zwar erneut gegen Sinner (3:6, 6:7), nahm aber trotzdem 600 statt 300 Punkte mit – und schob sich vorbei.
Sinner zieht den kopf ein – und alcaraz schaut nach hinten
Der Italiener selbst spürt den Druck nicht, er erzeugt ihn. Nach seinem 6:4, 6:4 im Finale gegen Jiri Lehecka hat er 21 Matches in Folge gewonnen. Die letzte Niederlage? Halbfinale Australian Open gegen Medvedev. Seitdem nur noch Siege, zwei Masters-Titel, 2000 Punkte. Alcaraz blickt von oben hinunter, aber die Lücke schrumpft jeden Sonntag. „Ich fühle, dass es passieren kann“, sagte Sinner nach dem Match – und meinte damit Rang eins.
Lehecka profitiert doppelt: Finale in Miami, Sprung von Platz 22 auf 14. Der 24-Jährige Tscheche überholt damit erstmals Altmeister wie Berrettini und Norrie. Acht Plätze auf einmal – so viel gab es in Miami zuletzt 2018, als John Isner nach seinem Titel von 19 auf 9 rauschte.

Deutsche herren klettern leise, aber stetig
Neben Zverev rücken drei weitere Bundesbürger nach. Daniel Altmaier (Platz 52), Yannick Hanfmann (61) und Jan-Lennard Struff (75) machen jeweils drei Plätze gut. Keine Sensation, aber ein Zeichen: Der deutsche Herrentennis-Boden bebt nicht, er wächst langsam. Altmaier zum Beispiel holte in Miami seine vierten Tour-Hauptfeld-Siege des Jahres, Hanfmann schaffte erstmals seit Wimbledon 2025 wieder die dritte Runde eines Masters.

Sabalenka bleibt queen, gauff schiebt swiatek weg
Bei den Frauen änderte sich wenig – und doch viel. Aryna Sabalenka verteidigte ihre Führung, blieb bei 9.876 Punkten. Coco Gauff schob sich nach ihrem Finaleinzug (2:6, 6:4, 3:6 gegen Sabalenka) auf Rang drei und verdrängte Iga Swiatek auf vier. Die Polin verlor im Achtelfinal gegen Anhelina Kalinina, hatte 2025 noch 1.000 Punkte zu verteidigen – und verlor sie alle. Gauff holte 650 Zähler, springt von 4.765 auf 5.415 Punkte. Lauter kleine Zahlen, große Folgen.
Die beste deutsche Frau? Laura Siegemund, Platz 51, plus zwei. Tatjana Maria fällt auf 61, Eva Lys klettert auf 76, Ella Seidel überholt vier Konkurrentinnen und landet auf 78. Kein deutsches Top-50-Ticket – aber der Zug rollt langsam an.
Fazit: Zverev hat Djokovic vorübergehend abgehängt, Sinner jagt Alcaraz mit Tempo 200. Wer jetzt noch glaubt, die Rangliste sei stabil, hat die letzten beiden Wochen nicht verfolgt. Nächster Stopp: Monte Carlo. Dort verteidigt Alcaraz 1.000 Punkte – und Sinner hat nichts zu verlieren. Die Jagd läuft, die Lücke schmilzt. In Tennis-Zeiten wie diesen zählt nur, wer am Sonntag den Pokal hochreißt.
