Zverev rast in sinner-falle: jetzt wird indian wells zur schicksalswoche
Alexander Zverev hat die Zukunft des Männertennis längst eingeholt. Seit Freitagnacht steht der 28-jährige Hamburger im Halbfinale von Indian Wells – und damit in einem Club, der nur vier Namen gehörte: Djokovic, Nadal, Federer, Murray. Fünf Spieler, neun Masters, immer mindestens die Vorschlussrunde. Die Statistik klingt wie ein Gedicht, doch am Samstag droht ein Schlusspunkt in Form von Jannik Sinner.
Sinner hat zverevs nummer – und die letzten fünf matches gewonnen
4:6 lautet die Bilanz, aber die Ziffern lügen. Seit dem November-Turnier in Turin hat Sinner jedes Duell dominiert, zuletzt mit 6:4, 6:3. Das 0:6, 1:6 in Paris? Zverev erinnert sich nur als „verletzt“, doch die Erinnerung bleibt. Die Frage lautet nicht mehr, ob Sinner derzeit der beste Spieler der Welt ist – sondern, wie lange Zverev sich noch vor ihm verstecken kann.
„Er und Carlos haben die letzten beiden Jahre abgeräumt“, sagt Zverev knapp. Gemeint sind die Grand Slams, gemeint ist die Machtverschiebung. Wer jetzt noch von der „Next Gen“ spricht, hat nicht aufgepasst: Sinner ist Gegenwart, nicht Zukunft.

Die bühne wächst – und mit ihr der druck
Indian Wells gilt als das fünfte Grand Slam. Die Bälke schimmern in Wüstenfarbe, die Tribünen sind schon am Freitag voll, weil die Leute wissen, dass etwas endet und etwas beginnt. Zverev spielt sich seit Tagen in einen Rausch, der Service sitzt, die Vorhand fliegt. Doch Sinner wartet wie ein Glaciation, der nicht mehr schmilzt.
Der Italiener warnt trotz seiner Siegesserie: „Wir kennen uns beide sehr gut. Ich muss sehr aufpassen.“ Es klingt wie ein Kompliment und wie eine Drohung zugleich. Denn wer Sinner in diesem Frühjahr schlägt, der schreibt sich selbst ins Geschichtsbuch – neben die vier Giganten und neben den Hamburger, der jetzt endgültig erwachsen geworden ist.
Die Sonne über der Wüste steht noch eine Stunde, dann wird gespielt. Für Zverev geht es um mehr als das Finale: um die Bestätigung, dass der Club der Giganten keine temporäre Gästelisten-Fehler ist. Für Sinner geht es um die Fortsetzung einer Serie, die längst nach Hallen-, Sand- und Hartplatz-Sieg schreit. Einer wird jubeln, einer wird zurückfallen. Die Wüste verzeiht keine Schwäche – und die Statistik schon gar nicht.
