Zverev entzaubert nakashima und entkommt dem indian-wells-fluch

Es war kein Spiel, es war ein Kampf gegen sich selbst. Alexander Zverev rang den eigensinnigen Brandon Nakashima mit 7:6, 5:7, 6:4 nieder – und blieb dabei seinem Paradoxon treu: Indian Wells ist das einzige Masters, wo er nie das Halbfinale berührt hat. Sonst dominiert er die Tour, hier dominiert die Wüste ihn.

Die statistik, die zverev nagt

Seit 2015 stolpert der Deutsche über dieselbe Hürde. Dreißig Grad im Schatten, 29 Grad auf dem Court und eine Psyche, die bei 15 Breakchancen gegen ihn kocht. Nakashima verweigerte ihm im ersten Satz jede Lücke, spielte den Tiebreak wie ein Automat – und verlor ihn dennoch 2:7. Die zweite Hälfte des Matches war ein Monolog des Kaliforniers: kein Break zugelassen, selbst zugeschlagen, Satzausgleich. Da schon viele Zverev-Dämonen dachten, das alte Ende kommt, schlug er beim Stand von 4:4 im dritten Satz zu. Einmal reichte es. Einmal muss es reichen.

Die Zahlen hinter dem Sieg: 12 Asse, 43 Winner, 38 unerzwungene Fehler – und ein Break, der rettete. „Ich habe gespürt, dass er nicht lockerlässt“, sagte Zverev nach 2:32 Stunden, die sich wie vier anfühlten. „Aber ich habe auch gespürt, dass ich nicht wieder in der zweiten Runde scheitern will.“ Letztes Jahr schickte ihn Griekspoor nach Hause, diesmal war Nakashima der Prügelknabe, der fast zum Henker wurde.

Cobolli oder tiafoe – und dann droht sinner

Cobolli oder tiafoe – und dann droht sinner

Im Achtelfinale wartet nun Flavio Cobolli, der Hamburger Sonntagsgott, oder Frances Tiafoe, der Showman mit dem irreversiblen Aufschlag. Beide haben gegen Zverev nichts zu verlieren, beide können seine Wüste tiefer werden lassen. Und sollte er erstmals das Halbfinale erreichen, steht dort womöglich Jannik Sinner, die italienische Antwort auf konsistente Härte. Erst im Finale winkt ein Mythos: Carlos Alcaraz oder Novak Djokovic. Die Trophäe, die Zverev nie berühren durfte, ist noch 180 Ballwechsel entfernt.

Die Sonne über Indian Wells sinkt, die Schatten werden länger. Für Zverev beginnt jetzt die Woche, in der er endlich seine eigene Geschichte umschreiben könnte – oder erneut der Statistik verfällt. Die Uhr tickt. Die Wüste wartet. Und sie verzeiht nichts.