Zug schlägt zurück, fribourg holt johnson: playoff-nacht der gegenreden

33 Sekunden. So schnell war Davos‘ Pokalglanz von gestern vergessen. Andreas Wingerli jagt den Puck unter die Latte, das Bossard Arena explodiert, und der EV Zug führt 1:0 – Start wie aus der Lehrbuch-Kollektion. In der zehnten Minute macht Tomas Tatar das 2:0, vier Sekunden später legt Gregory Hofmann nach. 3:0 nach zwölf Minuten, die Bündner stehen wie versteinert auf dem Eis. Die Antwort auf das 7:3-Debakel von Freitag ist so laut, dass sie in Davos bis zum Jakobshorn zu hören ist.

Die schweizer uhr läuft andersrum

Was zwei Tage zuvor noch ein Scherbenhaufen war, präsentiert sich plötzlich als geschlossene Einheit. Zugs Coach Dan Tangnes hatte seine Startformation umgestellt, setzt erneut auf Youngster Leon Muggli statt auf NHL-Rückkehrer Dominik Kubalik – und wird belohnt. Die Zentralschweizer gewinnen die Zweikämpfe, schlittern Pucks in Richtung Gäste-Tor, Melvin Nyffeler wirkt wie ein Fisch auf dem Trockenen. Erst nach 26 Minuten klingelt es zum ersten Mal im Zuger Kasten, da steht es bereits 4:0. Am Ende heisst es 5:2 – Serie jetzt 2:2, Alles oder Nichts in der Schweiz.

600 Meter Luftlinie weiter, in der BCF Arena, dreht sich das Drama um Personalknappheit. HC Fribourg-Gottéron muss in den Playoff-Ins ohne Andrea Glauser auskommen, der Innenverteidiger zog sich einen Mittelhandbruch zu. Doch es gibt auch Licht: Ludvig Johnson, 23, der mit einer Schulterverletzung pausierte, ist zurück und sofort wieder Top-Pairing an der Seite von Hugo Savolainen. „Er bringt uns Geschwindigkeit raus aus der eigenen Zone“, sagt Coach Roger Rönnberg, der nun erstmals seit Wochen wieder mit sieben Verteidigern planen kann. In der 8. Minute schlägt Michael Kapla zu, seinem ersten National-League-Treffer im dritten Playoff-Spiel. Kyle Rau bereitet vor, Nyffeler kriegt die Beine nicht zusammen – 1:0, Endstand 3:1 für Freiburg. Die Serie steht 2:1, nächster Matchball am Dienstag.

Die stunde der importe

Die stunde der importe

Die Nacht gehört den Ausländern. Kapla trifft, Tatar trifft, Wingerli trifft – und das, obwohl gerade die Liga über Import-Quoten diskutiert. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Tatar (98 Scorerpunkte in 134 Playoff-Spielen) und Wingerli (elf Punkte in dieser Serie) sind die Zug-Engines. Ohne sie stünden die Zentralschweizer bereits im Vorruhestand. Auf der Gegenseite war es Johnson, der mit einem Check gegen SCL-Topskorer Perttu Lindgren den Ton angab. „Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Dritte waren“, sagt der Schwede nach dem Spiel, die Schulter noch unter Kältepads versteckt.

Die Playoffs sind ein Spiegel der Liga: wer tief ist, überlebt. Fribourg kann wieder rotieren, Zug kann Emotionen umsetzen. Davos muss nun in der Valascia gewinnen, sonst fliegt der Champion von 2022 vorzeitig aus dem Rennen. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.