Ziolkowski packt aus: „bei roma zählt nur der nächste schritt“
Jan Ziolkowski sitzt im Olimpico auf der Bank, doch in seinem Kopf läuft ein Film. 90 Minuten Vorbereitung auf 15 Minuten Einsatzzeit – das ist die neue Realität des 20-Jährigen. Nach seinem Siegtor gegen Panathinaikos schien der Durchbruch nah, doch Gasperini drehte an der Schraube und strich ihn aus der Startelf. „Ich bin hier, um zu beweisen, dass ich dieses Niveau packen kann“, sagt der Pole im Exklusiv-Interview mit dem YouTube-Kanal der polnischen Nationalmannschaft. Die Stimme klingt ruhig, aber die Kante ist spürbar.
Legia wollte ihn zurück – roma sagte nein
Die Szene ist schnell erzählt: Legia Warschau pochte im Sommer auf eine weitere Leihe, um ihren Jungstar für die Meisterschaft zu sichern. Die Roma blockte ab. „Sie wollten mich sofort“, erinnert sich Ziolkowski. „Massara rief an und sagte: ,Wir glauben, dass du jetzt schon helfen kannst.’“ Ein Satz, der Karrieren lenkt. Statt Vertrauen in Warschau zu tanken, flog er direkt in den Sturm der Serie A – mit 19 Jahren, ohne Netz.
Die erste Bewährungsprobe folgte prompt: Juventus. Startelf. Oder besser: fast. „Ich war bereit, dann änderte der Coach kurzfristig seine Taktik.“ Kein Drama, nur ein kleiner Riss im Selbstvertrauen. „Das Schlimmste war nicht, dass ich nicht kam – sondern dass wir verloren haben.“

Gasperinis harte liebe
Trainer Gasperini gilt als Mann der klaren Worte. Nach Gelb-Rot-Gefahr gegen Cremonese wechselte er Ziolkowski zur Pause aus. „Er sagte: ,Du warst auf dem besten Weg, uns in zehn Mann zu lassen.’ Ich hab’s verstanden.“ Keine Tränen, kein Frust. Nur eins: Arbeiten. „Er redet nicht lange rum. Das mag ich.“
Zwischen Mancini, Ndicka und Hermoso schart der Neue sich ein. „Jeder hat eine andere Schublade: einer timing, einer kopfball, einer spielt die Linie. Ich nehme mir von allen was mit.“ Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Roma kassierte in den letzten fünf Partien acht Gegentore. Ziolkowski lügt nicht: „Wir müssen wieder zuziehen.“
Dybala als lehrmeister im trainingsanzug
Paulo Dybala trainiert derzeit mehr mit dem Physio als mit dem Ball. „Wenn er fit ist, ist er ein Alien“, schwärmt der Verteidiger. „Zwei Ballberührungen und du weißt, warum er Millionen kostet.“ Svilar hinter ihm sei „ein Wand“, einfach „ein Typ, der dir die Angst nimmt“. Die Lobeshymnen helfen nur kurz. Denn am Wochenende steht die nächste Herausforderung an.
Ziolkowski blickt nach vorne. Kein Jammern über Minuten, kein Agenten-Zirkus. „Ich bin erst in der ersten Saison. Wer hier Jammern will, ist falsch.“ Die Aussage sitzt. Keine Phrasen, keine Marketing-Sprüche. Nur der nächste Schritt. Denn in Rom zählt nicht, wer du warst – nur, wer du heute bist. Und heute heißt es: warten, arbeiten, zuschlagen. Die Kurve im Olimpico wartet bereits. Und sie vergisst nie.
