Zingle erwischt: sticky-bottle-skandal in der e3 saxo classic kostet ihn 25 uci-punkte
Ein Handyvideo reicht. Axel Zingle, französischer Profi bei Cofidis, klebte sich in der E3 Saxo Classic fünf, sechs, sieben Sekunden lang an die Teamwagenfenster, ließ sich vom Auto ziehen, während seine Beine stillstanden. Der Vorwurf: klassischer Sticky Bottle. Die Folge: 25 Strafpunkte der UCI und ein dreistelliger Bußgeldbetrag in Schweizer Franken.
Warum ein harmloser griff zum skandal wird
Die Szene spielte sich kurz nach dem zweiten Helling ab, als Zingle nach einem Platten und anschließender Jagd das Feld wieder erreichen wollte. Statt durch eigene Kraft, nutzte er den verbotenen Schlepp. Das Kuriosum: Ein Zuschauer filmte exakt den Moment, in dem Zingle das Magnetfeld zwischen Hand und Flasche genoss. Die Bilder gingen innerhalb von Minuten durch soziale Netzwerke, die Jury reagierte noch während des Rennens.
Die Strafkatalog-Mechanik der UCI ist gnadenlos: Erstes Vergehen 25 Punkte, zweites 50, drittes 100 – und schon droht Rennverbot. Zingle steht bei 25 Punkten, ein weiterer Fehler würde ihn in die Nähe einer Startverweigerung bringen. Die Summe an Geldstrafe bleibt unter 1000 CHF, doch das Imageleck ist teurer: Sponsoren hassen Doping-Echos, auch wenn es nur um ein Fläschchen Wasser geht.

Nibali-gespenst schwebt über dem fall
Veteranen erinnern sich sofort an die Vuelta 2015: Vincenzo Nibali wurde auf der zweiten Etappe nach einem identischen Manöver direkt aus dem Rennen geworfen – TV-Kameras hatten ihn erwischt. Der Italiener verlor damals seine Chance auf den Gesamtsieg, obwohl er kurz zuvor die Giro-Tour-Double-Krone trug. Zingle profitierte von milderen Corona-Jahres-Regeln, die nur Punkte statt Disqualifikation vorsehen. Dennoch: Die Parallele nagt am Ruf.
Teamchef Cédric Vasseur reagierte postwendend intern, ließ durchsickern, man werde „die Lehren ziehen“. Offiziell heißt es: „Versehen des Sportsdirektors, der die Flasche zu lange hielt.“ Klingt nach Schuldeingeständnis light, doch die UCI kauft solche Ausreden nicht mehr.
Für Zingle selbst bleibt die Erkenntnis: In der Äre von 4K-Smartphones und Livestreams reicht ein einziger Griff, um wochenlang die Schlagzeilen zu bestimmen. Der Radsport mag ein Teamsport sein, doch im entscheidenden Moment steht der Fahrer alleine da – und die Kamera lügt nie.
