Zielsprint der extraklasse: la-marathon liefert photo-finish, das moderatorin in tränen ausbricht

Keine fünf Zentimeter entschieden den wahnsinnigsten Showdown, den der Laufsport je gesehen hat. Beim Los-Angeles-Marathon war die Kamera am Montagmorgen so ratlos wie die Zuschauer, denn zwei Läufer stürmten gleichzeitig über die Matte – und hinterließen selbst der erfahrenen TV-Frau Lynette Romero ein zerfetztes Stimmband.

Romeros schock-sekunden: „wow! wow! oh mein gott!“

Romeros schock-sekunden: „wow! wow! oh mein gott!“

Ihre Stimme riss, das Mikro schwankte, und dann quoll alles heraus: „Wow! Wow! Oh mein Gott!“ Romero, seit zwölf Jahren Morning-Show-Moderatorin bei KTLA, verlor die Contenance, als die Bilder der Zielaufzeichnung die Arena erhellten. Der Grund: Die Chipzeiten trennten Sieger und Zweiten um 0,003 Sekunden – ein Rekord, der sogar die World Athletics-Datenbank blitzblank poliert.

Der Dramatik-Kick kam erst in der Nachuntersuchung. Der für die Zeitmessung zuständige Ingenieur Carlos Mendoza erklärte, dass die Lichtschranken an beiden Seiten der Zielbrücke exakt synchron laufen müssen, „sonst würde ein Vogelschwarm schon reichen, um ein falsches Ergebnis zu produzieren“. Sein Team habe die Rohdaten dreimal durchgerechnet, bevor der finale Bescheid kam: Der Kenianer Elijah Njore behielt die Nase vor, Äthiopiens Tesfaye Deribe wurde zweiter – und beide mussten sich post-race dieselben Sekunden ausruhen wie die Zuschauer, die ihre Smartphones gegen die Luft schlugen.

Was bedeutet das für den Sport? Erstens wird die Diskussion um Photocells wieder aufleben, weil der menschliche Blick schlicht zu langsam ist. Zweitens dürfte der LA-Marathon seine Startgebühren für 2027 erhöhen – ein Ereignis, das sich als „das Boston des Westens“ verkauft, nun aber eine eigene Mythologie besitzt. Drittens haben wir Zeugen einer emotionalen Live-Übertragung geworden, die ESPN und Co. in die zweite Reihe schiebt: Lokale Sender zeigen, dass Nähe zum Geschehen nicht ersetzt wird durch Glanz und Gloria.

Und Romero? Sie lachte später im Studio, wischte sich mit einem Lakers-Sweatshirt die Tränen ab und twitterte: „Ich war nie Läuferin, aber heute bin ich über die Ziellinie meiner Gefühle gesprintet.“ So klingt Sport in L.A. – schroff, laut, unverschämt echt. Die Stadt der Engel hat dem Lauf der Welt einen Dämon aus 0,003 Sekunden beschert. Wer nächstes Jahr dabei sein will, sollte sich jetzt schon ein Ticket sichern. Die Nachfrage explodiert, und die Geschichte läuft noch lange nicht zu Ende.